Dienstag, 17. März 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 5: Bräutigam-Fasten

Ein Jünger eines religiösen Meisters nervte seinen Meister immer wieder mit der Frage: „Meister, wie sehr soll ich mich nach Gott sehnen?“ Der Meister gab darauf nie eine Antwort. Eines Tages war die Gruppe am Fluss, um zu baden. Da stellte der Jünger wieder diese Frage. Der Meister packte ihn und hielt ihn lange unter Wasser. Der Unglückliche zappelte, aber der Meister war stark. Als er den Jünger wieder hoch kommen ließ, japste er nach Luft. Da fragte ihn der Meister: „Warum hast du so gezappelt?“ „Weil ich keine Luft mehr bekam!“ „So“, antwortete der Meister „musst du dich nach Gott sehnen.“. (gesammelt und herausgegeben von P. Antony de Mello SJ)

Das ist im Kern auch der Wunsch beim Bräutigam-Fasten. Aber wie kommen wir zu so einer Sehnsucht? Im Matthäusevangelium, im neunten Kapitel, hören wir: 14 Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten? 15 Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten. Die Jünger sind bei Jesus. Sie hören Ihn. Essen mit Ihm. Sie sind gleichsam in den „religiösen Flitterwochen“. Da kommt ja auch keiner auf die Idee zu fasten; denn Jesus, der Grund unserer Freude, ist ja da!

Im Alltag stellen wir aber manchmal fest, dass unser religiöses Leben sich etwas ausgeflittert hat. Man macht das Gute, hilft den Menschen … aber alles bleibt doch irgendwie schal und im schlimmsten Fall brennen wir sogar aus. Das Bräutigam-Fasten dient nun dazu, die Asche von unserer Liebe wegzublasen und die Glut, die darunter noch glimmt, neu zu entfachen; sich zu erinnern an die Begegnung mit Gott, die einen einmal angetrieben hat, Ihn in diesem oder jenem Lebensentwurf zurückzulieben.

Wo dieses Feuer erloschen ist, droht unser gutes Leben abzukühlen auf ein nur noch richtiges; und vielleicht verlieren wir sogar ganz die Spur zu wahrem, erfülltem Leben (Johannes10,10) und werden bitter oder depressiv. Es droht eine leere Religion, vor der die Propheten schon gewarnt hatten (z.B. Jesaja 58,5). Bräutigam-Fasten will nun, wie es oben in der Geschichte mit der Luft geschehen ist, fasten, damit unsere Abhängigkeit von und unsere Sehnsucht nach Gott wieder spürbar wird. In den Gebetszeiten oder auch beim Fasten im Alltag merken wir, dass wir es alleine nicht können und auch nicht wirklich wollen – also bitten wir Gott, sich uns sich wieder zu offenbaren, wie in der Hoch-Zeit unserer ersten Liebe (Hosea 6,3). Er soll die Flamme wieder entfachen, die alles leicht, schön und sinnvoll macht, einfach nur weil Er da ist, selbst inmitten unseres Chaos.

Ich wünsche Ihnen auch eine Erneuerung Ihrer inneren Flamme.

P. Adrian Kunert SJ 

Bild von Tumisu auf Pixabay

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