Dienstag, 3. März 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 3: Gerechtigkeits-Fasten

Das heutige Thema ist eigentlich das zentrale Thema bei biblischem Fasten. Um das recht zu verstehen, muss man aber verstehen, was „Gerechtigkeit“ in der Bibel meint. Kurz gesagt geht es um das rechte Verhältnis von Gott zu den Menschen und der Menschen untereinander. Dem dienen eine ganze Reihe von Gesetzen im Gesetz des Mose, die so nie umgesetzt worden sind. Die aber zum Verständnis, auch der Kritik der Propheten, wichtig sind, zu wissen.

Vom mosaischen Gesetz her gibt es kein Privateigentum an Boden. Dieser gehört weiterhin Gott. Jeder Stamm erhält ein bestimmtes Gebiet. Wenn durch Missernten oder andere Not jemand Boden verkaufen muss, verkauft er nicht den Boden an sich, sondern die erwarteten Ernten bis zum Jobeljahr. Nach sieben mal sieben Jahren folgt ein Jobeljahr (daraus entwickelte sich in der Katholischen Kirche die Idee des Heiligen Jahres). Im Jobeljahr fiel aller Grund wieder dem Stamm, dem Clan und der Familie zu, die ihn ursprünglich besessen hatte. Mit dieser Idee sollte in der agrarischen Gesellschaft verhindert werden, dass sich einerseits Superreichtum entwickelt andererseits aber auch Armut, weil jeder von seiner Scholle leben kann. Damit war aber spätestens seit der Königszeit auch theoretisch Schluss. Die Spanne zwischen arm und reich wuchs und damit auch der Abstand zwischen Gott und Seinem Volk.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 2: Heiligkeitsfasten oder Abstinenz

Die kleine Schwester des Fastens ist die Abstinenz. Man enthält sich gewisser Substanzen, Speisen oder Verhaltensweisen zeitweise oder ganz. Berühmt sind diesbezüglich die Mosaischen (Speise-)Gebote. Sie gelten als die ältesten kodifizierten Abstinenzregeln (berühmt: Kein Schweinefleisch). Wozu dienen diese Regeln? Warum wurden diese von den Muslimen übernommen, aber nicht von den Christen, die ja anfangs als jüdische Sekte galten?

Den ersten Zugang zum Sinn der (Speise)Gebote kann man ableiten aus Levitikus (3Mo) 19 Der Herr sprach zu Mose: Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig. Ganz Israel soll „heilig“ sein. Nun meint „kadosh“ im Hebräischen nicht nur „heilig“, sondern es bedeutet auch „abgesondert“. Es geht im ganzen Buch Levitikus genau darum: abgesondert zu sein vom Lebenswandel der Völker ringsum; und auch innerhalb Israels noch einmal einen abgesonderten Raum zu schaffen, um dort Gott begegnen zu können (Offenbarungszelt und später der Tempel). Israel sollte lernen alles zu lassen, was „unrein“ ist und „unrein“ macht, damit das gelingen konnte.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 1: vom Heilfasten zum Fürbittfasten

Heilfasten klingt heute vertraut, da man offensichtlich etwas Gesundes für sich tut. Und in der Tat, solches Tun hat auf der persönlichen Ebene viele gesunde Effekte, wenngleich Hardcore-Interpreten eine mangelnde und sichere Studienlage dazu behaupten würden (und Fasten allein in der Tat auch kein sicherer Weg für eine nachhaltige Gewichtsreduktion ist). Aber in der Bibel wird das Fasten auch zur Unterstützung der Fürbitte genutzt, sowohl bei Heilung als auch bei Befreiungsgebet. Die Jünger sind einmal irritiert, warum sie einen (wir würden heute sagen epileptischen) Jungen nicht heilen konnten. Jesus sagte darauf: Diese Art kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden. *

Wie funktioniert jüdisch/christliches Fasten technisch?

Mittwoch, 11. Februar 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Am Aschermittwoch ist alles vorbei... Sie kennen vielleicht dieses Lied, das vor allem im Rheinland zur Mitternacht vom Dienstag zum Aschermittwoch auf den Sitzungen gesungen wird. Danach ist alles vorbei, was mit Karneval, Fasching etc. zusammenhängt. Viele werden froh sein, dass es nun endlich vorbei ist und man wieder etwas „Entgiftendes für den Körper“ tun kann.

Die Ziele biblischen Fastens

Heute im Westen ist das „Fasten“ ja oft eine Life-Style-Entscheidung vor dem Hintergrund von Selbstoptimierung bzw. „innerer Reinigung“.

Das war zu biblischer Zeit nicht so. Das Leben war immer bedroht von regionalen oder globalen Katastrophen, die zu Ernteausfällen und damit zu Hungerperioden führten. „Fasten“ war da etwas, womit man Hingabe an ein Ziel verband und Stärke des Willens, da dran zu bleiben. Es gibt in der Bibel Beispiele, wo selbst ein spontanes eintägiges (Trauer)Fasten erwähnt wurde; zum Beispiel anlässlich des Todes Sauls, Jonathans und Israels in der Schlacht gegen die Philister (2 Sam 1,11-12). Generell aber kann man sagen, dass Fasten in der Bibel vor allem dazu dienen sollte, etwas in und um die Gemeinschaft herum sozial zu verbessern. Das wird auch immer wieder von den Propheten eingefordert. Bei heutigem Fasten muss der Verzicht auf Speise nicht immer im Zentrum stehen. Vergleiche die evangelische Initiative „7 Wochen ohne“. Es sollte auch heute immer der Blick auf die Erbauung der Gemeinschaft mitgemeint werden.

Bild von Raquel Candia auf Pixabay 

Sonntag, 1. Februar 2026

Welttag der Kranken – 11. Februar (2026)

 

Wo das Evangelium verkündet wird, geschieht nie nichts – außer man blockiert es selber.

Von Anfang war Christen die Sorge und das Gebet für die Kranken besonders wichtig. Darum gab und gibt es so viele Orden, die sich rund um die Krankenfürsorge gebildet haben und auch so viele kirchliche Träger im Gesundheitswesen.

Auch das Gebet um Heilung spielte immer eine große Rolle.
Jakobus 5 14 Ist einer unter euch krank, dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. 15 Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.

Meist wurden also die Priester (=Ältesten der Gemeinde) zu den Kranken gerufen, um für sie zu beten und sie mit Öl zu salben. Daraus entwickelte sich unsere Krankensalbung.

Am 11. Februar ist wieder der Welttag der Kranken. Es wird zwar auch eine zentrale Veranstaltung geben (das Bild ist ist im Monat vor dem Shut down 2020 entstanden), aber auch in den Gemeinden gibt es Gottesdienste. Wir werden auch hier nach unserer Messe um 8:00 eine Krankensalbung anbieten.

Wofür beten wir, wenn wir das Sakrament so in der Gemeinschaft anbieten?
Ursachen von Krankheit sind oft auf mehreren Ebenen zu finden.

1. Ebene: eigene Schuld – manchmal sind es eigene Angewohnheiten oder auch Sünden (bewusste Entscheidungen, die sich auch verfestigen können, dann spricht man von Lastern), die krank machende Auswirkungen haben. Dafür braucht es zuerst Einsicht und Buße. Das händeln wir nicht öffentlich, sondern es geschieht im Beichtsakrament oder im geistlichen Gespräch (Manchmal muss man sich erst mal darüber klar werden, wo der Hase im Pfeffer liegt). Wenn man da nicht ran geht, bringen auch weitere Behandlungen nichts.

2. Ebene: innere Verletzungen, Festlegungen... hier geht es um die vergiftenden Erfahrungen, die mir andere Menschen oder Prozesse angetan haben. Bruch von Partnerschaften, Erfahrungen von Verrat und Zurückweisung, Zurücksetzungen und Verleumdungen; Selbstfestlegungen und „Lebenslügen“, die andere über mich gesprochen haben... all das kann tiefe Wunden hinterlassen und krank machen. Das ist eine der klassischen Dinge, wenn nicht angegangen, die chronische Erkrankungen auch auf physischer Ebene triggern können. Wenn das nicht auf dieser Ebene angegangen wird, können physische Leiden sich auch chronisch manifestieren. Da ist das, was hier bei der Krankensalbung ansatzweise passieren kann.

3. Ebene: physische Heilung – das ist das ganze Feld, worum es auch hier im Krankenhaus geht, wo wir um Heilung oder/und einen guten Verlauf beten. Auch hierfür beten wir im Gottesdienst.

4. Ebene: geistliche Ebene/Befreiung – machen (/forcieren) wir nicht in diesen kürzeren gemeinsamen Gottesdiensten.

Wie krank muss man dafür sein? Ich würde sagen: Wenn Sie fühlen, dass Sie innerlich etwas ausbrennt, wenn Ihnen das Leben „schon immer“ sehr, sehr mühsam vorkommt und Sie immer nur mehr überdauern als froh zu leben, dann sollten Sie mal darüber nachdenken, ob das was für Sie wäre. Natürlich können Sie uns von der Seelsorge auch außerhalb dieses Gottesdienste ansprechen. Was aber und in welcher Reihenfolge es geschieht, bleibt aber in Gottes souveräner Hand.

P. Adrian Kunert SJ 

Dienstag, 27. Januar 2026

Lichtmess, Darstellung des Herrn und Weihnachten

Ihnen ist ja vielleicht aufgefallen, dass bei uns der Weihnachtsschmuck in der Kapelle und davor immer noch steht. Das war in den vergangenen Jahren nicht so. Pünktlich nach dem Ende der heutigen Weihnachtszeit (Taufe Jesu) wurde der Schmuck abgebaut. Aber der Schmuck sieht so schön aus, dass wir ihn bis zum alten Ende der Weihnachtszeit stehen lassen möchten, also bis zum 2. Februar – 40 Tage nach Weihnachten.

Biblisch war das der Tag, an dem Maria und Josef Jesus mit in den Tempel genommen haben, um ihr Opfer darzubringen, ein paar junger Tauben (Zeichen, dass sie arm sind). Damit sollte der Erstgeborene Jesus ausgelöst (jede männliche Erstgeburt gehörte dem Tempel/Gott) werden und zur Reinigung der Mutter. (Letzteres hängt mit kultischen rein/unrein-Regeln zusammen, die hier zu erläutern auch zu weit führen würde.) Dieser Tempelbesuch wird als Darstellung des Herrn bezeichnet. Das ist auch der liturgische Name dieses Festes.

Da Christen in Jesus den Sohn Gottes, das Licht der Welt und den König der Könige sehen, wurde schon in antiker Zeit dieses Fest so gefeiert, wie man den Besuch des Königs feiern würde. Die Bewohner der Stadt zogen ihm mit Lichtern (Fackeln, Kerzen) entgegen und begleiteten ihn voll Freude in ihre Stadt. Das passiert in vielen Kirchen und Kapellen auch heute in kleinerer Dimension. Wir treffen uns z.B. hier im Hause am 2.2. zu Beginn der Messe um 8:00 Uhr im Eingangsbereich unserer Kapelle. Hier segnen wir die Kerzen und ziehen damit zum Altar, um zu verdeutlichen, dass wir unseren König, das Licht der Welt, begleiten und Ihm nachfolgen möchten. Diese Kerzen sind aber nicht nur für diese Feier gedacht, sondern werden auch für das restliche Jahr gebraucht, z.B. im Altarraum. Darum hieß das Fest früher auch: Lichtmess.

Der Stern von Bethlehem markierte als Licht den Beginn dieser Zeit, die Lichterprozession das Ziel unseres Heils, Jesus, das Licht der Welt.

Mittwoch, 14. Januar 2026

18. Januar Mutter Regina Protmann

Loyalität, Gehorsam, der Wille Gottes und das persönliche Gewissen


Finden wir es nicht alle gut, wenn wir uns aufeinander 100%ig verlassen können? Für viele ist die Familie so ein Ort. Zu wissen, da ist jemand da für mich, und das nicht nur, wenn der andere etwas von mir will. Nun sind Großfamilien nicht nur und nicht immer Orte des gepflegten Rückzugs und der sicheren Heimat. Gerade, wenn man aus manchen alten Familien kommt, weiß man, dass es da auch Dinge gibt, die man nicht sagt oder tut - oder die im Keller ruhn.

Und was passiert erst, wenn die Familie nach innen und außen Böses tut? Gibt es da Grenzen von Loyalität und Gehorsam? Wir kennen die alten Mafia-Familien, die neue Clan-Kriminalität... Da wird Loyalität und Gehorsam oft noch mit Gewaltandrohung „unterstützt“. Aber es muss ja nicht immer etwas Böses sein, was die Familie will. Ich kann mich entsinnen an einen Jugendlichen, dessen Vater Chefarzt war und die Mutter Stationsleitung und er sollte nach dem Willen der Eltern auch Arzt werden. Von den Leistungen her überhaupt kein Problem. Aber der Junge wollte nicht. Er wollte Tischler werden... knifflige Situation.