Wo das Evangelium verkündet wird,
geschieht nie nichts – außer man blockiert es selber.
Von Anfang war Christen die Sorge
und das Gebet für die Kranken besonders wichtig. Darum gab und gibt
es so viele Orden, die sich rund um die Krankenfürsorge gebildet
haben und auch so viele kirchliche Träger im Gesundheitswesen.
Auch das Gebet um Heilung spielte immer
eine große Rolle.
Jakobus 5 14 Ist
einer unter euch krank, dann rufe er die Ältesten der
Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und
ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. 15 Das
gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn
aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm
vergeben.
Meist wurden also die Priester
(=Ältesten der Gemeinde) zu den Kranken gerufen, um für sie
zu beten und sie mit Öl zu salben. Daraus entwickelte sich unsere
Krankensalbung.
Am 11. Februar ist wieder der Welttag
der Kranken. Es wird zwar auch eine zentrale Veranstaltung geben (das
Bild ist ist im Monat vor dem Shut down 2020 entstanden), aber auch
in den Gemeinden gibt es Gottesdienste. Wir werden auch hier nach
unserer Messe um 8:00 eine Krankensalbung anbieten.
Wofür beten wir, wenn wir das
Sakrament so in der Gemeinschaft anbieten?
Ursachen von Krankheit sind oft auf
mehreren Ebenen zu finden.
1. Ebene: eigene Schuld –
manchmal sind es eigene Angewohnheiten oder auch Sünden (bewusste
Entscheidungen, die sich auch verfestigen können, dann spricht man
von Lastern), die krank machende Auswirkungen haben. Dafür braucht
es zuerst Einsicht und Buße. Das händeln wir nicht öffentlich,
sondern es geschieht im Beichtsakrament oder im geistlichen Gespräch
(Manchmal muss man sich erst mal darüber klar werden, wo der Hase im
Pfeffer liegt). Wenn man da nicht ran geht, bringen auch weitere
Behandlungen nichts.
2. Ebene: innere Verletzungen,
Festlegungen... hier geht es um die vergiftenden Erfahrungen, die mir
andere Menschen oder Prozesse angetan haben. Bruch von
Partnerschaften, Erfahrungen von Verrat und Zurückweisung,
Zurücksetzungen und Verleumdungen; Selbstfestlegungen und
„Lebenslügen“, die andere über mich gesprochen haben... all das
kann tiefe Wunden hinterlassen und krank machen. Das ist eine der
klassischen Dinge, wenn nicht angegangen, die chronische Erkrankungen
auch auf physischer Ebene triggern können. Wenn das nicht auf dieser
Ebene angegangen wird, können physische Leiden sich auch chronisch
manifestieren. Da ist das, was hier bei der Krankensalbung
ansatzweise passieren kann.
3. Ebene: physische Heilung –
das ist das ganze Feld, worum es auch hier im Krankenhaus geht, wo
wir um Heilung oder/und einen guten Verlauf beten. Auch hierfür
beten wir im Gottesdienst.
4. Ebene: geistliche Ebene/Befreiung
– machen (/forcieren) wir nicht in diesen kürzeren gemeinsamen
Gottesdiensten.
Wie krank muss man dafür sein? Ich
würde sagen: Wenn Sie fühlen, dass Sie innerlich etwas ausbrennt,
wenn Ihnen das Leben „schon immer“ sehr, sehr mühsam vorkommt
und Sie immer nur mehr überdauern als froh zu leben, dann sollten
Sie mal darüber nachdenken, ob das was für Sie wäre. Natürlich
können Sie uns von der Seelsorge auch außerhalb dieses
Gottesdienste ansprechen. Was aber und in welcher Reihenfolge es
geschieht, bleibt aber in Gottes souveräner Hand.
P. Adrian Kunert SJ