Mittwoch, 21. Dezember 2022

Das traute hochheilige Paar mit dem Knaben im lockigen Haar

Liebe Freunde der Charismatischen Erneuerung im Erzbistum Berlin,

viele von Euch kennen ja sicher die „Stille Nacht“, in der nur das traute, hochheilige Paar einsam wacht. Und darin gleicht diese Nacht so vielen Nächten in denen Menschen stecken.

Ob es die zerbombten Häuser so vieler ausgebrannter Städte in den Kriegsgebieten dieser Welt sind, von der Ukraine über Armenien, Jemen, Syrien; ob es die vergessenen Konflikte Afrikas und Asiens sind, oder hier bei uns die kalten, dunklen Nächte der Einsamen in ihren Wohnungen oder auf

Freitag, 2. Dezember 2022

Eine unverzichtbare „Dienst“reise für den Advent

Eine Religionslehrerin fragte die Klasse: „Wie nennt man es, wenn ein Termin den anderen jagt und man vor lauter Arbeit nicht mehr an morgen denken mag?“ Ein Mädel meldet sich und sagt: „Advent!“ Die Lehrerin suchte natürlich nach einem anderen Wort: nach „Stress“

Haben Sie auch manchmal „Stress“? Ich meine jetzt nicht den guten, den so genannten Eu-stress, der uns anspornt und hilft unsere Ziele besser zu erreichen (wenn man zum Beispiel noch die ganzen Plätzchen backen muss); sondern diese blöde Situation, wo man sich immer nur mehr als Getriebener fühlt, der immer weniger in der Lage ist, seine eigene Situation zu gestalten.

Kann man dagegen etwas tun, gerade wenn man an den äußeren Bedingungen nichts ändern kann? Da kann ein kleines Ritual helfen, die Handlungsfreiheit zurückzugewinnen und damit den Blick auf die Situation zu entspannen, obwohl sich erst einmal nichts ändert.

Dieser Trick, ist eine bewusste, kurze Pause Atempause, die man überall, wo man gerade ist, einfügen kann. Sie treten ein wenig aus der Hauptverkehrsader ihres Alltags an die Seite, oder setzen sich gar aufrecht hin, schließen die Augen und lassen vor Ihrem inneren Auge die Weite des karibischen Meeres erstehen. Sie treten in Gedanken etwas zurück in den Schatten der Palmen, um die brennende Sonne zu meiden und und keine nassen Füße zu bekommen. Nun versuchen Sie mit einem langen, tiefen Atemzug, die salzige und meergeschwängerte Luft einzuatmen, die Ihnen der Ozean in einer sanften Brise zuweht. Versuchen Sie diesen Atemzug zu genießen und lassen ihn erst dann wieder gehen, wenn alle Entspannung, die er enthielt, bei Ihnen geblieben ist.

Jetzt können Sie wieder die Augen öffnen, in die Alltagsspur zurückommen und tun, was die Situation erfordert. Aber lassen Sie nicht überall den Sand vom Strand fallen.

P. Adrian Kunert SJ

Bild von Pixabay: https://pixabay.com/de/photos/strand-küste-palme-meer-sommer-84631/

Mittwoch, 26. Oktober 2022

Reformationstag, Halloween & Allerheiligen

„Wenn Jesus damals nicht den bösen Riesenkürbis besiegt hätte, wären wir alle jetzt nicht hier.“ Diesen alten Spottvers auf traditionsvergessene MitbürgerInnen kennen Sie ja vielleicht. Viele feiern am Reformationstag (31.10.) oder am Vorabend von Allerheiligen (1.11., All Hallow's Eve) Halloween; für die meisten ist es wohl nur ein bisschen Karneval für Kinder, etwas Grusel-Grusel – und viel Kommerz. Und ist es schlimm, dass das geschieht? Schließlich gab es so ein Wichtigwerden und Unwichtigwerden verschiedener Feste schon immer. Laut Überlieferung soll Luther am Vorabend vor Allerheiligen die 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geklopft haben – und das war auch zu einer Zeit, als vieles Wichtige in Vergessenheit oder in arge Schieflage geraten war.

Um das bewerten zu können, muss man sich anschauen, was in Vergessenheit geraten war oder was durch das Neue überdeckt zu werden droht; denn das geschieht ja fortwährend. Schon in vielen Paulusbriefen in der Bibel geht es darum, dass Menschen, oft mit besten Absichten, das Eigentliche preisgeben, ohne dies zu bemerken (vgl. Galaterbrief).

Donnerstag, 14. April 2022

Kar-sharing – ein alter Osterfestbrauch

Tod und Leben, die kämpften unbegreiflichen Zweikampf;
des Lebens Fürst, der starb, herrscht nun lebend.

(aus der Ostersequenz)

Ich weiß nicht, ob Sie das auch schon mal beobachtet habt: Da schaltet man morgens das Licht im dunklen Zimmer an und die Strahlen der Lampe fangen an mit der Finsternis zu kämpfen, nach und nach gewinnt das Licht die Oberhand und nach zwei, drei Dutzend Minuten hat das Licht endlich soweit gewonnen, dass man es wagen kann, den ersten Fuss unter der Decke nach draußen zu strecken.

Wie Sie gemerkt haben, findet „dieser lange“ Zweikampf nicht in der Wirklichkeit statt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes nur im „Auge des Betrachters“, dessen Augenlider von den Mikro-Schwarzen-Löchern unter der Bettdecke immer wieder nach unten gezogen werden.

Freitag, 19. November 2021

Hatte die heilige Elisabeth einen Vogel?

Mit vier Jahren wurde die Nichte der hl. Hedwig von Andechs/Schlesien aus ihrer Heimat Ungarn genommen, um am Hofe ihres künftigen Gatten erzogen zu werden, mit 14 verheiratet, drei Kinder, mit 19 Witwe nach einer kurzen glücklichen Ehe. Franziskaner, die nach Eisenach kamen, entflammten auch sie für das befreiende Armutsideal, dass sie schon bald mit dem Hof in Spannung bringen sollte. Solange ihr Mann, der Landesgraf lebte, hatte sie nichts zu befürchten. Aber kaum war der tot, wurde sie von ihrem Schwager samt ihren Kindern vertrieben. Ihr Onkel, der Bischof von Bamberg, wollte sie neu verheiraten; aber selbst den Kaiser lehnte sie ab, weil sie arm dem armen Christus dienen wollte. Der Papst wurde einschaltet, damit sie wenigstens ihr Witwenvermögen bekam. Auf dieses wollte sie eigentlich verzichten. Das wurde ihr aber verboten, darum stiftete sie damit ein Armenhospital (in Marburg) und arbeitete selber darin. Sie tat viele Arbeiten vor denen anderen ekelte. So sehr brannte sie für die Armen, dass sie entkräftet mit 24 Jahren starb. Vier Jahre später war sie "heilig" gesprochen worden. Das war vorher nur beim heiligen Franziskus schneller gegangen; die Mühlen der Kirche mahlen bekanntlich langsam. Hatte diese Heilige also einen Vogel? Von außen betrachtet wohl – ja. Was hätte sie noch alles erreichen können, wenn sie länger gelebt, sich ein bisschen mehr geschont hätte?

Aber solche Heilige kann man so nicht messen; denn sie tanzen nach einer Musik, die wir zwar theoretisch auch hören könnten, wenn uns nur nicht so sehr die Angst vor dem Verlust von Status, Besitz und Anerkennung anderer ausbremste. Der heiligen Mechthild von Helfta, Mitschwester unserer Krankenhauspatronin Gertrud, offenbarte Gott in einer Vision, was an Elisabeth so besonders war, dass sogar das Wunder geschah, dass die Mühlen der Kirche mal nicht langsam mahlten, und sie schon nach vier Jahren „heilig“ gesprochen war: „Es gehört sich für einen Boten, schnell zu sein. Elisabeth ist und war ein Bote, den ich zu den Frauen gesandt habe, die, ohne an ihr Seelenheil zu denken, auf den Burgen saßen, von der Unkeuschheit so tief durchdrungen und vom Hochmut ganz bedeckt und von der Eitelkeit so beständig umhüllt, dass sie von Rechts wegen für den Abgrund bestimmt gewesen wären. Elisabeths Vorbild sind viele edle Frauen gefolgt, so weit ihr Wille und ihre Kraft eben reichten.” (Das fließende Licht der Gottheit V, 34)

Und das ist, glaube ich, wirklich der Punkt. Wäre Elisabeth nicht in ihrer Zeit wie eine Supernova aufgestrahlt und verglüht, hätte sie eben nicht mehr erreichen können. Angespornt durch ihr Beispiel bahnte sich eben nun ein vielfältiger Strom der Nächstenliebe – diesmal von Frauen angetrieben – seine Bahn. Und da sind wir wieder bei der Frage von oben. „Hatte sie einen Vogel?“ Solange man sich der echten Liebe verweigert, solange wird man nicht verstehen, was sie getan hat und irritiert davor stehen bleiben. Wenn man sich aber von ihrem Beispiel entzündet der Liebe öffnet, die aus dem Herzen Gottes strömt, die auch Leiden und Treue umfasst und nicht nur ein romantischer Abklatsch ist, in Herzen, die nicht mehr angstvoll an Vergänglichem festhalten, dann beginnt man zu begreifen, warum diese Frau mit ihrem Leben und Sterben bis in unsere Zeit strahlt. Abgesehen von der Jungfrau und Gottesmutter Maria ist im deutschen Sprachraum wohl keine Frau zu Recht so verehrt und nachgeahmt worden wie sie.

Also gönnen wir uns auch so einen Vogel – aber den richtigen.
Und versuchen wir es nicht aus eigener Kraft - das endet nämlich im burn out.

P. Adrian Kunert SJ
zum Fest der heiligen Elisabeth
19.11.2021

Freitag, 11. Juni 2021

Herz Jesu - Gott hat ein Herz für dich

 

Heute feiern wir das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens:
Gott hat ein Herz für die Menschen;
so sehr, dass Er sich dafür in Seinem Sohn am Kreuz durchbohren lässt,
und es so weit für uns öffnet, dass wir neues Leben empfangen können.
Was bedeutet das aber für uns heute?

Das Herz ist in der Bibel Zentralorgan unserer ganzmenschlichen Entscheidungen.
Das würden wir heute eher mit dem Kopf identifizieren, mit Vernunft.
Und hier zeigt sich auch schon

* der erste wichtige Aspekt dieses Festes: Die Liebe aus dem Herzen Jesu für die Menschen, ist eine Entscheidung: Ich will, dass es in Wahrheit gut um dich bestellt ist (wird Thomas von Aquin diese Liebe umschreiben. Und was Gott will, tut Er auch). Wir hier im Krankenhaus, jeder an seiner Stelle, sind für die Menschen da und gerade nach diesem überlangen Coronajahr fühlt sich das schon manchmal an wie eine kleine täglicher Kreuzweg, weil man auch so lange kein Ende gesehen hat. Aber, wie das bei Liebe in diesem Sinn so ist. Es war eine sinnvolle und gute Sache. Wie kann diese Liebe in uns wachsen? Jesus anschauen; denn die vollkommene Liebe ist nur aus Gott. Begreifen, wer Er ist. Sein Leben ansehen, Seine Worte (Bibel lesen) murmeln, Sein Tun verstehen. Also kurz: Jesus immer tiefer kennen- und lieben lernen

* Der zweite wichtige Aspekt ist, dass wir auch gemerkt haben, dass es allein sehr schwer ist. Deswegen hat Gott uns den Tröster, den Heiligen Geist zugesagt und gesandt. Die Ordensschwestern, unser Diakon Diebold und ich haben deswegen in dieser Zeit hinter verschlossenen Türen täglich für das Haus, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie all seine Kranken mitgebetet; denn wenn man sie nicht tankt, hat man sie auch nicht, die Kraft aus der Höhe. Auch am Freitag werden wir wieder Beten und seit dieser Woche sind für die Gottesdienste wieder Gäste vom Haus und außer dem Haus zugelassen. Mit all den Auflagen zwar, aber das ist ja wie überall. Wir müssen uns immer wieder nach der Beziehung zu diesem Jesus ausstrecken. Durch

Anbetung (Gottes Liebe ist keine Information, sondern eine Einladung zur Interaktion. Die einzig angemessene ist die staunende Anbetung; denn Er ist Gott; Er ist der Herr – selbst am Kreuz!

Freundschaft (die neun Schritte des Herzens vorstellen – dieser erhabene Gott sehnt sich danach, dein Freund zu sein.)

Sühne ein Aspekt davon: vergebungsbereit bleiben, auch wenn es schwer fällt.

* Aber es gehört auch eine dritter Aspekt hinzu; es braucht Zeiten, wo wir wieder aufatmen können, Dank sagen für die Zeit, die wir irgendwie durchgestanden haben. Und an diesem Punkt stehen wir nun. Sich umsehen, wer an meiner Seite steht; danken, dass sie da sind. Gemeinsam aufatmen.


Donnerstag, 1. April 2021

Wie die erste, wie die einzige, wie die letzte

Religionen sind „Erinnerungsmaschinen“. Ereignisse, Erfahrungen und Erkenntnisse, die Jahrhunderte, gar Jahrtausende zurückliegen, werden heute erinnert, vorgelesen, erzählt, gefeiert. Warum? Weil sie oft allgemein gültige Dinge über Menschen und Beziehungen zueinander bzw. zu ihren Göttern aussagen. Meist sind das Mythen und Legenden, die im Zentrum liegen.

Doch das Christentum ist da anders. Zwar gibt es auch in der Bibel Texte, die in mythologischer Sprache abgefasst sind (Genesis 1-4 zB) oder auch Geschichten, die kurz vor