Freitag, 25. September 2026

Der 7. Oktober, ULF vom Rosenkranz und der Rosenkranzmonat (Oktober)


Kennen Sie ULF? Nein, das ist in diesem Falle kein nordischer Vorname, sondern die innerkatholische Abkürzung für „Unsere Liebe Frau“ und hier halt die „vom Rosenkranz“. Wie so oft steht dahinter ein Dank für einen überraschenden militärischen Sieg.

Bis zum 7. Oktober 1571 dehnte sich das Osmanische Reich immer mehr und scheinbar unaufhaltsam aus. Es war auch auf dem Mittelmeer die dominierende Macht. An diesem Tag fand im Eingang des Golfes von Korinth die letzte äußerst blutige Schlacht statt, in der noch Galeeren eingesetzt wurden. Die Osmanische Flotte wurde vernichtend geschlagen. Das führte man auch und vor allem auf das Rosenkranzgebet zurück. Juan de Austria, ein unehelicher Sohn Kaiser Karl V., führte die Flotte der Heiligen Liga an. Die Schlacht leitete den Anfang vom Ende der Osmanischen Dominanz ein, die erst mit dem Entsatzheer bei der zweiten türkischen Belagerung von Wien am 12. September 1683 endgültig beendet werden sollte.

Donnerstag, 24. September 2026

Die heilige Hildegard und das Verstehen Gottes im Getriebe der Meinungen

 

Am 17. September, gedenkt die Kirche neben Robert Belarmin (Grüße gehen raus an Papst Leo zum Namenstag) auch der heiligen Hildegard. Mir kam heute eine Geschichte aus ihrem Leben vor Augen, die – so denke ich – auch für unsere jetzige Zeit von Bedeutung ist.

Die heilige Hildegard sah, als ihre geschätzte Lehrmeisterin im Kloster starb, wie bei dieser ein Bußgürtel abgenommen wurde, der schon ins Fleisch eingewachsen war. Das hat sie sehr erschüttert und in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber diesen weit verbreiteten Praktiken bestärkt. Viele Christen meinten, den Ernst ihrer Nachfolge mit solchen Bußübungen besser ausdrücken zu können. Das war damals allgemein üblich und viele erwarteten das geradezu von religiösen Menschen. Das hat sich in die Kirche eingeschlichen, als sie nicht mehr verfolgt wurde und es – selbst im kirchlichen Amt – viele gab, die das machten, weil es auf einmal Status oder Geld bedeutete. Damit stieg die Sehnsucht, wieder zu sehen, wo es wahren Glauben gab, der nicht nur aus Opportunismus und Statusgewinn angenommen worden war. So zog der asketische Geist in die Kirche ein. Das Problem mit diesem „äußeren Zeichen“ ist, dass manche meinten, damit Frömmigkeit messen zu können und sich Gott wohlgefälliger zu machen; die Evangelischen würden sagen: da will sich jemand Gottes Gnade verdienen.

Freitag, 14. August 2026

15. August – Mariä Aufnahme in den Himmel

In der ostkirchlichen Tradition erleben die wundersam von Engeln herbeigetragenen Apostel den Tod Mariens so, dass sie von Engeln unterstützt ihre himmlische Reise antritt. Ihre irdischen Kleider verblieben aber hier. Dem Zweifler Thomas, der es auch hier irgendwie schaffte, zu spät zu kommen, ward der Gürtel zuteil. Diese Kleider würden nun in Trier, Aachen, Prato (Toskana) und anderswo aufgehoben. Diese Variante der Legende erzählte Caesarius von Heisterbach um 1215.

In der westkirchlichen Tradition vor allem im Alpenraum – und das ist die Grundlage auch der dortigen Volksbräuche – geschah gemäß der Legenda Aurea folgendes: Es wurde auf Weisung eines Engels dem Leichnam Mariens eine Palme vorausgetragen; als Christus selbst drei Tage nach dem Tod seiner Mutter auf Erden erschien, um sie auf ihrem Weg in den Himmel zu begleiten, berichtet dieselbe Legende, habe sich ein unaussprech-licher Duft verbreitet. Eine jüngere Legende erzählt, als man das Grab Mariens später geöffnet habe, seien nur Rosen vorgefunden worden. Hintergrund davon ist wahrscheinlich, dass die jahreszeitlich bedingte Getreidereife und Hochblüte der Natur damit in Erinnerung brachte, dass Maria traditionell als "Blume des Feldes und Lilie in den Tälern" (Hohes-lied 2,1) verehrt und seit dem 5. Jahrhundert als "guter und heiliger Acker" benannt wurde, der eine göttliche Ernte brachte, woraus sich auch die Darstellung Maria im Ährenkleid entwickelte.

Donnerstag, 11. Juni 2026

Herz-Jesu-Fest und das Zentrum des christlichen Glaubens

Gottesbegegnungen sind tiefe Erfahrungen, die in der Folge auch andere Menschen anziehen. Wenn sich dann ein wachsendes Werk daraus ergibt, dann besteht immer die Gefahr, dass sich Angst um die Reinheit dieser Erfahrungen unter die Motivation legt. Manche beginnen dann, mit „Gesetzen“ diese Erfahrungen zu schützen. Spätestens in der zweiten Generation wird es Menschen geben, denen die Gesetze zum Schutz der Erfahrung wichtiger werden als die Erfahrung selbst – denn diese bleibt, wie jede Beziehung, der menschlichen Reglungswut entzogen. Manchmal erstickt unter diesem Schutz die Beziehung.

Christliches Leben lebt aber aus der bewussten Entscheidung, immer wieder neu zu dieser grenzenlosen Liebe Gottes ja zu sagen und sich ihr auszusetzen. Es ist die Beziehung zu Ihm, die Liebe ist, die Gott von uns möchte. Gott braucht keine Sklaven, sondern Liebende. Gerade auch in einer Zeit der großen Gesetzlichkeit war die Herz-Jesu-Verehrung der Ausdruck einer reinen Liebe; sie ist darum auch immer etwas suspekt, weil Liebe sich eben nicht in gesetzliche Form zwingen lässt. Aber auch heute, wo so viel Verwirrung herrscht, ist diese Liebe Gottes anziehend, denn sie hilft auch, das Leben zu ordnen. Was führt zu mehr und vollerem Leben? Was kann oder muss ich aber auch lassen?

Dieser Liebe wird an jedem Herz-Jesu Freitag (erster Freitag im Monat) gedacht – vor allem aber auch am Herz-Jesu-Hochfest, welches am 3. Freitag nach Pfingsten gefeiert wird. Auch in diesem Jahr werden wir diese Liebe Gottes feiern in unserem „Herz-Zentrum“, der „Herz-Jesu-Kapelle“ unseres Hauses.

P. Adrian Kunert SJ

Freitag, 29. Mai 2026

Die Heilige Dreifaltigkeit – Ideenfeste

oder 1+1+1=1?   : )

In der alten Kirche, eigentlich bis ins frühe Mittelalter, wurden nur Feste gefeiert, die sich auf bestimmte Ereignisse im Leben Jesu bezogen. So sagt noch Thomas von Aquin sinngemäß: Wenn Du heilig werden willst, feiere das Kirchenjahr mit; denn es ist keine Zeiteinteilung, sondern die Beziehung zu einer Person, Jesus Christus. Geburt, Leiden, Sterben, Auferstehen und die Sendung des Heiligen Geistes, all das ist verknüpft mit der Person Jesu Christi und bestimmten Ereignissen im Leben Israels und damit auch in Jesu Leben. Aber es gibt bestimmte Glaubenslehren, für die es keinen historischen Anlass gibt, die aber so zentral sind, dass man ein Fehlen im Jahreskreis als Manko erlebte. Der Wunsch nach diesen „Ideenfesten“ wurde stärker: Dreifaltigkeit, Fronleichnam, Herz-Jesu.

Das im Jahreskreis zeitlich erste ist das Fest der Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit Gottes, je nachdem, welchen Aspekt Gottes man mehr betonen möchte. Dass der eine Gott dreifaltig ist, Vater, Sohn und Geist, wissen wir aus Seiner Offenbarung. Wenn man erst einmal verstanden hat, was das meint, sieht man es auch in der ganzen Schöpfung, denn Gott hat alles in dieser Weise geschaffen. Aber wie bei vielem gibt es heute einige Verständnisschwierigkeiten mit den Worten, die sich über die Jahrhunderte in ihrer Bedeutung gewandelt haben.

Dienstag, 12. Mai 2026

Ostern – Himmelfahrt – Pfingsten

Ohne den Heiligen Geist wäre Kirche als „nur eine Institution“ schon verschwunden

Eigentlich ist es doch ganz leicht zu merken: Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu, zu Himmelfahrt das Ende der speziellen Art und Weise, wie Er nach Seiner Auferstehung mit Seinen Jüngern unterwegs war. Und Pfingsten? Ja, da kommt der Heilige Geist und wir feiern den Geburtstag der Kirche. Aber was hat das mit uns zu tun? Knapp 2000 Jahre später? Warum ist der Heilige Geist für die Kirche von so großer Bedeutung?

Schauen wir einmal zurück. Zur Zeit, als Jesus auf Erden wandelte, gab es in Israel viele Sekten, Strömungen und Gruppen, die sich untereinander oft nicht grün waren. Selbst das, was man für die Bibel hielt, war nicht klar. Alle waren sich einig, dass die fünf Bücher Mose dazu gehören. Das war es aber auch schon in Bezug auf die Gemeinsamkeiten zum Beispiel für die Sadduzäer, die Jerusalem und den Tempel beherrschten. Weder die Propheten, noch die Weisheitsliteratur (die Schriften) gehörte dazu. Darunter waren die Gebote zur Abgrenzung gegen die „Heidenvölker“ ganz wichtig, hier vor allem die Speisegebote. Unter den Makkabäern (ca 180 v. Chr.), als auch die Gruppe die Pharisäer entstanden, sind Juden dafür gestorben, sich nicht „unrein“ (unfähig am Tempelkult teilzunehmen) machen zu müssen.

Dienstag, 31. März 2026

Osterfriede

oder: Der Mann, dessen Zweiter Weltkrieg 30 Jahre dauerte

Hiroo Onoda erhielt 1944 mit drei Kameraden den Befehl, eine Stellung auf den Philippinen zu halten, als die Amerikaner dort landeten. Er war damals 22 Jahre alt und nahm diesen Auftrag sehr ernst, wie alle seine Mitstreiter. Die Flugblätter der US-Amerikaner, die am 15. August 1945 das Ende des Krieges verkündeten, hielten er und seine Kameraden für feindliche Propaganda. Sie lebten weiter, überfielen ab und an philippinische Militärposten. Als sich 1949 ein Kamerad ergab, wurden die Behörden auf die skurrile Situation aufmerksam. Alle Kontaktaufnahmen scheiterten. Bei Überfällen auf philippinische Militärposten starben die anderen Kameraden Onodas. Hiroo Onoda blieb 30 Jahre allein im Krieg, im Jungle. In den 70ern wurde man auch in Japan auf ihn aufmerksam. Er akzeptierte den Befehl seines damaligen Vorgesetzten und ergab sich in Uniform und lieferte sich am 9. März 1974 mit Schwert, Gewehr, einigen Handgranaten und 500 Schuss Munition den Siegern aus. Weil er seinem Vorgesetzten glaubte, kam schließlich auch er äußerlich vom Krieg in den Frieden nach 30 Jahren Krieg.