Mittwoch, 18. März 2026

19. März: Der heilige Josef – stiller Helfer im Hintergrund und die Wunder von heute

Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts waren schwere Zeiten. Die Versorgung für die Armen war mehr oder minder zusammen-gebrochen, weil die Fürsten sich durch die Säkularisation zwar reichlich an den Gütern der Klöster gütlich getan hatten, aber natürlich nicht die Aufgaben der Klöster mit übernommen hatten; immerhin gingen 25% der Einkünfte von Benediktinern und Zisterziensern in die Armen- und Pilgerfürsorge. 1816 explodierte der Vulkan Tambora und führte zu einem Jahr ohne Sommer und zu ersten von ca. 18 Hungersnöten, die 1846 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten. Neben der Kartoffelfäule (ab 1842) führte auch auch eine liberale Wirtschaftsideologie und die Industriali-sierung zu einer Landflucht und der Verelendung der Massen, weil die Flüchtlinge oft jede Arbeit annehmen mussten, um zu überleben. Millionen aus dem deutschsprachigen Raum folgten bald den Strömen der Iren, die früher schon vor dem Hungertod (1.000.000 Tote 1846 allein in Irland) nach Amerika und Australien geflohen waren. Auch gesellschaftlich war es eine Zeit des Liberalismus im geistigen Sinne. Antikirchliche Ideologien wurden überall stark. Im Kulturkampf dieser Zeit versuchte man das Verhältnis Staat Kirche von staatlicher Seite aus gewaltsam neu zu regeln. Es war eine Zeit, wo man eine gesellschaftliche Geborgenheit stark vermisste. Man sehnte sich einerseits nach Stabilität und Sicherheiten andererseits aber konnte man auch überall Graswurzelaufbrüche in den Millieus sehen. Man sah wie neue Orden entstanden, die sich um Arme und Kranke sorgten. Kolpingvereine kümmerten sich um Gesellen auf der Walz, um deren Abhängigkeiten und die Ausbeutung etwas zu verringern.

In dieser Zeit flammte die Josefsverehrung auf. Der stille Versorger und Beschützer der heiligen Familie wurde das Vorbild für Millionen. Treue, Redlichkeit und Loyalität gegenüber der Kirche und der Familie wurden immer wichtiger. Der hl. Josef war das Paradebeispiel für jemanden, auf den sich die Familie, die Kirche und der Staat absolut verlassen konnten. Diese Frömmigkeit griff natürlich auch auf Amerika über, wo die Vorbedingungen aber etwas andere waren.

Santa Fe, New Mexico. Lorettoschwestern gründeten 1853 eine Mädchenschule ( Loretto Academy) und beschlossen 1873, dafür auch eine Kapelle zu errichten. Erzbischof Jean-Baptist Lamy hatte für seine Basilika in Santa Fe zwei französische Architekten (Vater und Sohn), eingeladen, die für die erste Kirche in neugotischer Bauweise in Nordamerika verantwortlich wurden. Der Stein für den Bau der Loretto-Kapelle kam aus der Nähe. Die Kapellenfenster wurden aus Frankreich (Sainte-Chapelle) importiert. Die Loretto-Kapelle war 1878 mehr oder minder fertiggestellt, als der Ältere der Baumeister starb. Nun aber gab es ein Problem. Die Empore war zwar fertig, aber es führte kein Weg hinauf. Alle Entwürfe der Zimmerleute hätten zu viel vom kostbaren Platz für die Beter weggenommen. Auch die Idee, einfach eine Leiter hinzustellen, wurde als viel zu gefährlich für die Schwestern und Schülerinnen verworfen.

Da taten die Schwestern, was Schwestern eh am besten tun können sollten, sie beteten eine Novenezum hl. Josef, dem Schutzpatron der Zimmerleute und Bauhandwerker. Am neunten Tag, dem letzten der Novene (Neuntägige Gebetszeit) tauchte ein Zimmermann mit einem Esel und einfachem Handwerkszeug auf und arbeitete sechs bis acht Monate allein an einer Wendeltreppe. Es ist eine Helix ohne eine tragende Mittelsäule. Sie führt zwei volle Rotationen aus und überwindet die gut 6 Meter (22 Fuß) mit 33 (!) Stufen. Es wurden keine Nägel verwendet, nur Holzverbindungen und Holzleim. Anfangs hatte die Treppe keinen Handlauf und schien dadurch im Raum zu schweben. Als die Treppe fertig war, verschwand der Mann, ohne seinen Namen zu nennen und ohne Bezahlung. Auch Nachforschungen der Schwestern bei den Holzlieferanten der Gegend führten zu keinem Ergebnis; die Schwestern wollten ja wenigstens das Holz bezahlen, wenn sie ihm schon nicht persönlich danken konnten. Darum hielten sie ihn für den heiligen Josef selbst. Diese federnde Treppe zu benutzen, war aber für viele Schwestern und manche Studentinnen so Angst erregend, dass sie teilweise nur auf den Knien hinauf und hinabgegangen sind. Darum wurden zehn Jahre später die Handläufe gefertigt und im Laufe des 20. Jahrhunderts auch eine Verbindung zur Wand hergestellt. Ursprünglich dachte man, damit, die Treppe zu stabilisieren; leider zeigte sich, dass man sie damit im Gegenteil sogar beschädigte. Deswegen wird die Treppe heute nur mehr selten benutzt.

Streng genommen handelt es sich dabei nicht um Wunder im klassischen Sinne. Manche meinen auch den Handwerker identifiziert zu haben. Aber selbst als Arbeit eines Menschen übersteigt das die Vorstellung vieler Zimmerleute von dem, was möglich ist. Die Hauptbotschaft für mich ist: Wenn man mal nicht weiter weiß, ist es auch nicht schlecht, sich an den hl. Josef zu wenden. Der weiß schon, was Not wendet.

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