Gedanken für die Woche 3: Gerechtigkeits-Fasten
Das heutige Thema ist eigentlich das zentrale Thema bei biblischem Fasten. Um das recht zu verstehen, muss man aber verstehen, was „Gerechtigkeit“ in der Bibel meint. Kurz gesagt geht es um das rechte Verhältnis von Gott zu den Menschen und der Menschen untereinander. Dem dienen eine ganze Reihe von Gesetzen im Gesetz des Mose, die so nie umgesetzt worden sind. Die aber zum Verständnis, auch der Kritik der Propheten, wichtig sind, zu wissen.
Vom mosaischen Gesetz her gibt es kein Privateigentum an Boden. Dieser gehört weiterhin Gott. Jeder Stamm erhält ein bestimmtes Gebiet. Wenn durch Missernten oder andere Not jemand Boden verkaufen muss, verkauft er nicht den Boden an sich, sondern die erwarteten Ernten bis zum Jobeljahr. Nach sieben mal sieben Jahren folgt ein Jobeljahr (daraus entwickelte sich in der Katholischen Kirche die Idee des Heiligen Jahres). Im Jobeljahr fiel aller Grund wieder dem Stamm, dem Clan und der Familie zu, die ihn ursprünglich besessen hatte. Mit dieser Idee sollte in der agrarischen Gesellschaft verhindert werden, dass sich einerseits Superreichtum entwickelt andererseits aber auch Armut, weil jeder von seiner Scholle leben kann. Damit war aber spätestens seit der Königszeit auch theoretisch Schluss. Die Spanne zwischen arm und reich wuchs und damit auch der Abstand zwischen Gott und Seinem Volk.
Die Propheten rückten das immer wieder in das Zentrum ihrer Verkündigung: Gerade „Fasten“ soll nicht zu einer religiösen Askese (von gr. „askein“ „üben“ urspünglich aus dem Sportbereich) werden, die nur sich selber und vielleicht höchstens noch die Beziehung zu Gott im Blick behält. Der asketische Zug kam in Israel erst durch die Einführung des Bußfastens auf. Vorher war es eher ein Fasten aus rituellen Gründen oder um das Gebet zu unterstützen. Ein Fasten, dass die Armen außen vor lässt, das die Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen auf Arbeit oder in den Familien vergisst, ist also kein Fasten im jüdisch/christlichen Sinne.
Darum gibt es in vielen Gemeinden die Praxis der Fastensuppe, wo also die Gemeinde an einem Sonntag eine einfache Suppe kocht für alle und die Gemeinde dann das, was die Familien dadurch sparen, für ein Gemeinschaftsprojekt für die Armen verwendet. Das kann man natürlich auch privat zuhause tun und im Familienrat gemeinsam überlegen, wofür man das gesparte Geld dann entweder ausgibt oder wo man sich als Familie mit Zeit für mehr Gerechtigkeit einsetzen möchte.
P. Adrian Kunert SJ

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