Mittwoch, 25. Februar 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 2: Heiligkeitsfasten oder Abstinenz

Die kleine Schwester des Fastens ist die Abstinenz. Man enthält sich gewisser Substanzen, Speisen oder Verhaltensweisen zeitweise oder ganz. Berühmt sind diesbezüglich die Mosaischen (Speise-)Gebote. Sie gelten als die ältesten kodifizierten Abstinenzregeln (berühmt: Kein Schweinefleisch). Wozu dienen diese Regeln? Warum wurden diese von den Muslimen übernommen, aber nicht von den Christen, die ja anfangs als jüdische Sekte galten?

Den ersten Zugang zum Sinn der (Speise)Gebote kann man ableiten aus Levitikus (3Mo) 19 Der Herr sprach zu Mose: Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig. Ganz Israel soll „heilig“ sein. Nun meint „kadosh“ im Hebräischen nicht nur „heilig“, sondern es bedeutet auch „abgesondert“. Es geht im ganzen Buch Levitikus genau darum: abgesondert zu sein vom Lebenswandel der Völker ringsum; und auch innerhalb Israels noch einmal einen abgesonderten Raum zu schaffen, um dort Gott begegnen zu können (Offenbarungszelt und später der Tempel). Israel sollte lernen alles zu lassen, was „unrein“ ist und „unrein“ macht, damit das gelingen konnte.

Warum gibt es aber überhaupt Unreines? Hat Gott nicht am Anfang alles gut geschaffen (Gen 1)? Das wäre jetzt ein längerer Exkurs, den ich abkürzen will. Es hängt zusammen mit den drei geistlichen Rebellionen von denen die Genesis in der Tora redet. Im Gefolge der dritten geistlichen Rebellion kam es zur Verehrung und Anbetung anderer Götter. Viele Tiere wurden nun mit verschiedenen Völkern und ihrem Götzendienst verbunden. Gott beschloss einen neuen Anfang mit Abram (75), Sarai (65) und deren Nachkommen zu machen; denn diese konnten nach menschlichem Ermessen unmöglich noch eigene Kinder bekommen. Gott brauchte dazu nichts als das Vertrauen des Abrams (später: Abraham). Er rief ihn heraus aus Ur in Mesopotamien, das viele als die älteste echte Metropole der Welt ansehen. Das war damals (ca. 1800 v.Chr.) schon eine alte Stadt mit extrem vielen Göttern. Auch Abrams Vater Terach betete viele andere Götter an. Abram erhielt auch noch nicht die (Speise)Gebote des Mose! Da mussten nochmal über 430 Jahre ins Land gehen. Nach der Befreiungserfahrung Israels aus der Sklaverei in Ägypten erfolgte der Bundesschluss am Sinai. Das war der Bundesschluss, der aus den Nachkommen (Abrahams, Isaaks und) Jakobs (der auch Israel genannt wurde) das Volk Israel machte als Gottes besonderes Eigentum. Die Gesetze sollten nach innen einerseits helfen, die eigene Identität des Volkes herzustellen und zu bewahren, aber auch nach außen hin helfen, nicht werden zu wollen wie die Völker, sondern allein dem einen Gott zu vertrauen, der den Abram aus Ur gerufen hatte. Die „Weisungen“ (wie man „Gesetze“ auch übersetzen kann) bilden nun quasi einen Zaun, der Israel bewahren sollte, bis der Messias käme (Gal 3,23-25), der das Gesetz erfüllt hat (eigenes Thema). Wie hat das Gesetz das tun können? Indem das Gesetz zum Maßstab wurde, womit „Sünde“ bekannt und benannt wurde. Somit war klar, was ist außerhalb der Gottesgemeinschaft (Sünde) und was innen (weil im guten Verhältnis zu Gott und untereinander; biblisch: Gerechtigkeit). Warum gelten diese (Speise)Gebote aber für Christen nicht mehr?

Man könnte es sich jetzt leicht machen und sagen: Die Gesetze gelten nur innerhalb des Landes, für das sie offenbart wurden, also für Israel. Aber das ist natürlich zu kurz gedacht.

Wie Gott durch die Propheten schon angekündigt hatte, hat Jesus das Gesetz erfüllt. Jesus selbst hatte zu rein/unrein schon einiges gesagt (zB. Mt 15,11) und damit die Gebote auf die ethischen Gebote eingedampft. Aber die jüdischen Jünger der ersten Generation hielten sich natürlich noch an die Gebote, auch die kultischen. Aber in Apg 10 hat Petrus eine Vision, die sich dreifach wiederholt. Ein Tuch mit allerlei „unreinem Getier“ kam vom Himmel und eine Stimme sagte: Schlachte und iss (Apg 10,9ff)! Das lehnt Petrus als guter Jude dreimal ab: Herr, niemals! Ich habe noch nie etwas Unreines gegessen! Jedes Mal erhält er die Antwort: Was Gott für rein erklärt, nenne du nicht unrein. Petrus ist verwirrt bis vor dem Haus drei (Unreine / Götzendiener) Heiden auftauchen, die sagen, sie suchten Petrus, damit er im Hause des römischen Hauptmann Cornelius das Evangelium verkünde. Der immer noch verwirrte Petrus und einige Brüder gehen mit und erleben, dass nach der Predigt der Heilige Geist auf die Heiden herabkam, wie zu Pfingsten auf die jüdischen Jesusjünger. Das können die mitgereisten Juden nicht fassen. Aber jetzt begreift Petrus, dass das das von den Propheten verheißene Programm Gottes zur Einladung an die Völker aus dem Götzendienst zu treten in die Gemeinschaft mit Gottes Volk, jetzt begann Wirklichkeit zu werden. Alle erhielten nun die Möglichkeit durch das Vertrauen auf den Messias, Teil der Familie Gottes zu sein. Das Gesetz hatte seine bewahrende, abgrenzende Funktion gegen die Völker verloren; es wird aber nicht überflüssig, weil es noch immer zum Maßstab Gottes zur Erkenntnis von Sünde dient, und es hilft auch weiterhin die „Sünde“ zu benennen. Was das aber wirklich bedeutet, war nicht allen gleich klar; natürlich haben die Judenchristen auch weiterhin festgehalten an den Gesetzen des Mose. Aber schon beim Apostelkonzil ging es darum, wie Christen aus Juden und Heiden zusammenleben könnten (Apg15, sogenanntes Apostelkonzil), ohne dass sich die Judenchristen ständig kultisch unrein machen müssten. Aber auch diese Beschlüsse wurden immer unwichtiger, je weniger Judenchristen es in der Gemeinde gab wegen des explosionsartigen Wachstums vor allem bei den Heidenchristen.

Wenn Sie vielleicht nicht „Essen fasten“, sondern sich eine Abstinenz vorgenommen haben, nehmen Sie teil an dieser Heiligungserfahrung, Gott einen Raum zu schaffen, wo Er in uns wirken darf.

Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen auf diesem Weg.

P. Adrian Kunert SJ

KI generiertes Bild von beasternchen auf Pixabay

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