Gedanken für die Woche 1: vom Heilfasten zum Fürbittfasten
Heilfasten klingt heute vertraut, da man offensichtlich etwas Gesundes für sich tut. Und in der Tat, solches Tun hat auf der persönlichen Ebene viele gesunde Effekte, wenngleich Hardcore-Interpreten eine mangelnde und sichere Studienlage dazu behaupten würden (und Fasten allein in der Tat auch kein sicherer Weg für eine nachhaltige Gewichtsreduktion ist). Aber in der Bibel wird das Fasten auch zur Unterstützung der Fürbitte genutzt, sowohl bei Heilung als auch bei Befreiungsgebet. Die Jünger sind einmal irritiert, warum sie einen (wir würden heute sagen epileptischen) Jungen nicht heilen konnten. Jesus sagte darauf: Diese Art kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden. *
Wie funktioniert jüdisch/christliches Fasten technisch?
Fastende reduzieren während des Fastens (früher manchmal sogar auf 0) die Nahrungszufuhr unter das Niveau, was man braucht. Man lebt von Reserven und ist sich klar, dass man das nicht lange durchhalten kann. Wie lange und wie viel man fasten kann, hängt natürlich auch von der eigenen Konstitution ab. Während es für einige schon eine Herausforderung ist, eine Mahlzeit wegzulassen, ohne in eine Unterzuckerung zu fallen, können andere – vor allem mit einiger Übung – problemlos zwei, drei Wochen fasten (nichts essen) während sie ihrer normalen (dann aber meist sitzenden) Tätigkeit nachgehen. Wenn man früher manchmal die ganze Fastenzeit gefastet hat, darf man dabei nicht vergessen, dass Getränke das Fasten nicht brachen. Es gibt ja auch einen Grund, warum gerade in der Fastenzeit die Starkbiere ausgeschenkt wurden. Denn gerade, wenn man daneben noch hart körperlich arbeiten musste, konnte man nicht 40 Tage nichts essen. Das Bier im Mittelalter und in der Neuzeit war noch nicht gefiltert, enthielt darum auch noch Eiweiß und viele Mineralien (und war oft auch nicht so alkoholreich wie heute). Normale Menschen fasteten damals die 40 Tage so, wie es heute nur noch für Aschermittwoch und Karfreitag für Katholiken empfohlen ist: eine sättigende (fleischlose) Mahlzeit am Tag und zweimal etwas Kleines, nicht Sättigendes. Wasser oder Tee sollte man mehr trinken als man es normalerweise täte. Macht man das nicht, erinnert einen ein Kopfschmerz daran. Der taucht normalerweise an Tag zwei auf, wenn man das noch nicht gewohnt ist, wenn der Körper auf Fettverbrennung umstellt. Wenn Sie wissen möchten, wie ich das in dieser Fastenzeit handhaben werde, können Sie mich ja ansprechen. Sonntage waren vom Fasten ausgenommen.
Wie wirkt Fasten während des Betens körperlich und geistlich?
Vorausgesetzt man verträgt das Fasten, was geschieht dann, wenn man nichts isst bzw. nur Brot und Wasser (Tee) zu sich nimmt, im Gebetsleben? Der Magen-Darm-Trakt verbraucht nicht mehr soviel Energie und gibt deswegen auch weniger Impulse an das Hirn und Rückenmark weiter. Man wird innerlich gelassener und kann sich dann auch auf alles andere und somit auch auf das Beten intensiver einlassen. Wenn man Pilgern, „Beten mit den Füßen“ nennt, so ist wohl Fasten „Beten mit dem Darm“ : ) Es tritt also eine Körperlichkeit dazu, die die innere Verbindung mit Gott im Herzen verstärkt.
Fasten und Fürbitte – konkret
Wenn Sie das auch mal versuchen wollen, können Sie sich ja eine kleine Liste zusammenstellen mit den Personen oder Zusammenhängen in Ihrer Umgebung, wo Sie gern mehr Gottes Segen sähen. Dann nehmen Sie sich beim ersten Fastentag dieses oder jenes Anliegen vor und nehmen es mit einem kurzen persönlichen Gebet mit hinein in den Tag. Am Ende der Fastenzeit schauen Sie mal, ob sich etwas getan hat.
P. Adrian Kunert SJ
* (Mt 17,21 fehlt leider in neueren Übersetzungen ganz; Mk 9,29 auch hier fehlt in neueren Übersetzungen „und Fasten“, weil in vielen ganz alten Handschriften dieses Wort fehlt.)
Bild von Prierlechapelet auf Pixabay

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