Mittwoch, 11. Februar 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Am Aschermittwoch ist alles vorbei... Sie kennen vielleicht dieses Lied, das vor allem im Rheinland zur Mitternacht vom Dienstag zum Aschermittwoch auf den Sitzungen gesungen wird. Danach ist alles vorbei, was mit Karneval, Fasching etc. zusammenhängt. Viele werden froh sein, dass es nun endlich vorbei ist und man wieder etwas „Entgiftendes für den Körper“ tun kann.

Die Ziele biblischen Fastens

Heute im Westen ist das „Fasten“ ja oft eine Life-Style-Entscheidung vor dem Hintergrund von Selbstoptimierung bzw. „innerer Reinigung“.

Das war zu biblischer Zeit nicht so. Das Leben war immer bedroht von regionalen oder globalen Katastrophen, die zu Ernteausfällen und damit zu Hungerperioden führten. „Fasten“ war da etwas, womit man Hingabe an ein Ziel verband und Stärke des Willens, da dran zu bleiben. Es gibt in der Bibel Beispiele, wo selbst ein spontanes eintägiges (Trauer)Fasten erwähnt wurde; zum Beispiel anlässlich des Todes Sauls, Jonathans und Israels in der Schlacht gegen die Philister (2 Sam 1,11-12). Generell aber kann man sagen, dass Fasten in der Bibel vor allem dazu dienen sollte, etwas in und um die Gemeinschaft herum sozial zu verbessern. Das wird auch immer wieder von den Propheten eingefordert. Bei heutigem Fasten muss der Verzicht auf Speise nicht immer im Zentrum stehen. Vergleiche die evangelische Initiative „7 Wochen ohne“. Es sollte auch heute immer der Blick auf die Erbauung der Gemeinschaft mitgemeint werden.

Bild von Raquel Candia auf Pixabay 

Wenn man Exerzitien macht, kann Fasten auch ein Mittel sein, das Gebet zu vertiefen; denn man lässt Äußeres weg und begibt sich in eine Art innere Wüstensituation, um von den Ablenkungen der Welt wegzukommen und mehr auf die Stimme Gottes achten zu können. Das Äußere kann, neben anderem, eben auch eine Abhängigkeit von ungeordneten Neigungen sein, wo ich Dingen oder Verhaltensweisen in meinem Leben und meinen Entscheidungsprozessen mehr Raum gebe, als ihnen zusteht. Es ist so wie mit einem Stück Eisen, das unter einem Kompass liegt. Es verändert unsre Orientierung und weist somit den Weg zu unserem Ziel falsch aus. So werden auch ungeordnete Neigungen unsere Urteilskraft und unsere Beziehung zu Gott und den Nächsten negativ beeinflussen. Dagegen helfen die Geistlichen Übungen (Exerzitien).

Im Exerzitienbuch gleich in der ersten Anmerkung kann man darum lesen: ... Denn gleichwie Umherwandeln, auf ein Ziel Zugehen und Laufen körperliche Übungen sind, so nennt man geistliche Übungen jede Art, die Seele, vorzubereiten und in Stand zu setzen, damit sie alle ungeordneten Neigungen von sich entferne und nach ihrer Entfernung den göttlichen Willen suche und finde in der Regelung des eigenen Lebens zum Heile der Seele.

Ungeordnete Neigungen in den Griff zu bekommen, um auch dadurch zu guten, tragfähigen Lebensentscheidungen zu kommen auf dem Weg mit Gott, ist also auch Zweck von Exerzitien.

Dazu heißt es in Anmerkung 23: Prinzip und Fundament. Der Mensch ist geschaffen, Gott, unseren Herrn, zu loben, ihm Verehrung zu erweisen und ihm zu dienen, und mittels dessen seine Seele zu retten; und die anderen Dinge auf der Erde sind für den Menschen geschaffen und dazu, dass sie ihm helfen, bei der Verfolgung des Ziels, zu dem er geschaffen ist.

Damit antworten wir dem Mensch gewordenen Sohn, der kam um zu dienen. Man kann nun in dieser Fastenzeit in den biblischen Geschichten und den Sakramenten in der Liturgie zuschauen, wie Er mit uns umgeht. Er möchte mit Seinem Großmut auch unseren Großmut wecken, Ihm zu folgen, Ihm zu dienen. Die meisten Veränderungen unsererseits beginnen mit einer kleinen, positiven Handlung, die man einübt (exerziert). Man muss auch nicht bis zu den nächsten Exerzitien warten. Jede Fastenzeit bietet an sich dazu schon Gelegenheit. So kann man es zB. einmal mit dem Maßhalten probieren.

Falls Sie noch etwas Praktisches suchen für diese Fastenzeit, möchte ich Sie in zu einer Aktion einladen: Brotfasten (trocken Brot und Kräutertee/Wasser). Sie können nun alle Mahlzeiten oder nur eine am Tag damit ersetzen; wichtig ist, dass Sie sich vorab in einer ruhigen Minute überlegen, wie viele Scheiben Sie zu dieser Gelegenheit vielmals kauend essen wollen. Ignatius meinte, bei trockenem Brot neigte man nicht zu ungeordnetem Essen. Beim Kauen könnten Sie weiter überlegen und vornehmen, wie Sie am folgenden Tag durch ein freundliches Wort, eine kleine Geste oder eine andere Aktion ein Licht im Leben eines anderen Menschen anzünden könnten.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit, die zu Licht und Freude für Sie wird in der Vorbereitung auf das heilige Osterfest.

P. Adrian Kunert SJ


eigentliche Bedeutung von
Fasten: zeitweises bewusstes Reduzieren der Nahrungsaufnahme unter das langfristig Notwendige.
Abstinenz: Verzicht auf bestimmte Nahrungs- oder Genussmittel; heute auch Verhaltensweisen

 

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