Dienstag, 31. März 2026

Osterfriede

oder: Der Mann, dessen Zweiter Weltkrieg 30 Jahre dauerte

Hiroo Onoda erhielt 1944 mit drei Kameraden den Befehl, eine Stellung auf den Philippinen zu halten, als die Amerikaner dort landeten. Er war damals 22 Jahre alt und nahm diesen Auftrag sehr ernst, wie alle seine Mitstreiter. Die Flugblätter der US-Amerikaner, die am 15. August 1945 das Ende des Krieges verkündeten, hielten er und seine Kameraden für feindliche Propaganda. Sie lebten weiter, überfielen ab und an philippinische Militärposten. Als sich 1949 ein Kamerad ergab, wurden die Behörden auf die skurrile Situation aufmerksam. Alle Kontaktaufnahmen scheiterten. Bei Überfällen auf philippinische Militärposten starben die anderen Kameraden Onodas. Hiroo Onoda blieb 30 Jahre allein im Krieg, im Jungle. In den 70ern wurde man auch in Japan auf ihn aufmerksam. Er akzeptierte den Befehl seines damaligen Vorgesetzten und ergab sich in Uniform und lieferte sich am 9. März 1974 mit Schwert, Gewehr, einigen Handgranaten und 500 Schuss Munition den Siegern aus. Weil er seinem Vorgesetzten glaubte, kam schließlich auch er äußerlich vom Krieg in den Frieden nach 30 Jahren Krieg.

Was hat das mit Ostern zu tun? Wir leben nicht in einer objektiven Welt, sondern zuerst in einem inneren Konstrukt, das unser Hirn baut aus unseren Wahrnehmungen, Selbstverständlichkeiten, Verletzungen, Erinnerungen, Freuden, Leiden und „Geschichten“, die wir selber erfahren haben oder die uns erzählt wurden und werden. Dieses Konstrukt wirkt oft so „real“, dass wir es für die Wirklichkeit selbst halten. Vieles davon hält uns aber auch fest wie in einem inneren Gefängnis. Wir tun immer wieder dieselben Fehler, obwohl wir es eigentlich hassen, so zu sein. Oftmals geschieht dies, weil wir vor den anderen gut da stehen oder weil wir nicht zu kurz kommen wollen. Im schlimmsten Fall sind wir so abgestumpft, dass wir das erst dann wahrnehmen, wenn es uns krachend auf die Füße fällt, weil unsere Beziehungen oder Lebensentwürfe zerbrochen sind.

Ostern nun handelt im Tiefsten von einem Übergang aus solcher innerer Sklaverei (die die Bibel als Sklaverei der Sünde bezeichnet), hin zu einem Leben in Freiheit, das die Möglichkeit für ein Leben aus der Liebe heraus mit sich bringt. Wir müssen dazu nichts leisten, sondern einfach dem trauen, der mit Vertrauen auf den Vater im Himmel vorangegangen ist. Die „äußeren Umstände“ haben Jesus getötet (Karfreitag) und ins Grab gelegt. Das drohen sie auch uns an, wenn wir nicht machen, was sie von uns erwarten. Jesus aber ist am dritten Tage auferstanden von den Toten und zeigt damit, dass dieser Weg Leben ist und zum Leben führt. Damit hat sich alles verändert. Der Tod ist tot, das Leben lebt. In der Osternacht gehen wir mit Jesus in Seinen Tod hinein, um mit Ihm aufzuerstehen. Wir sterben damit der Macht der Sünde, damit wir in der Freiheit der Kinder Gottes leben können. Wenn wir Jesus, dem Christus, vertrauen, sind wir also schon hinübergegangen ins Leben; wenn nicht bleiben wir im Tod. Abraham a Santa Clara, ein Wiener Barockprediger hat das mal hübsch in einem Wort zusammengefasst: Nur wer stirbt, bevor er stirbt, stirbt nicht, wenn er stirbt.

Jedes Osterfest ist darum auch eine Verkündigung, dass jetzt Friede ist. Ob wir es glauben, hängt von uns ab, wie bei dem Soldaten, der im Krieg blieb, weil er nur von einem diese Botschaft annehmen wollte.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes 
und friedliches Osterfest

P. Adrian Kunert SJ 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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