Donnerstag, 11. Juni 2026

Herz-Jesu-Fest und das Zentrum des christlichen Glaubens

Gottesbegegnungen sind tiefe Erfahrungen, die in der Folge auch andere Menschen anziehen. Wenn sich dann ein wachsendes Werk daraus ergibt, dann besteht immer die Gefahr, dass sich Angst um die Reinheit dieser Erfahrungen unter die Motivation legt. Manche beginnen dann, mit „Gesetzen“ diese Erfahrungen zu schützen. Spätestens in der zweiten Generation wird es Menschen geben, denen die Gesetze zum Schutz der Erfahrung wichtiger werden als die Erfahrung selbst – denn diese bleibt, wie jede Beziehung, der menschlichen Reglungswut entzogen. Manchmal erstickt unter diesem Schutz die Beziehung.

Christliches Leben lebt aber aus der bewussten Entscheidung, immer wieder neu zu dieser grenzenlosen Liebe Gottes ja zu sagen und sich ihr auszusetzen. Es ist die Beziehung zu Ihm, die Liebe ist, die Gott von uns möchte. Gott braucht keine Sklaven, sondern Liebende. Gerade auch in einer Zeit der großen Gesetzlichkeit war die Herz-Jesu-Verehrung der Ausdruck einer reinen Liebe; sie ist darum auch immer etwas suspekt, weil Liebe sich eben nicht in gesetzliche Form zwingen lässt. Aber auch heute, wo so viel Verwirrung herrscht, ist diese Liebe Gottes anziehend, denn sie hilft auch, das Leben zu ordnen. Was führt zu mehr und vollerem Leben? Was kann oder muss ich aber auch lassen?

Dieser Liebe wird an jedem Herz-Jesu Freitag (erster Freitag im Monat) gedacht – vor allem aber auch am Herz-Jesu-Hochfest, welches am 3. Freitag nach Pfingsten gefeiert wird. Auch in diesem Jahr werden wir diese Liebe Gottes feiern in unserem „Herz-Zentrum“, der „Herz-Jesu-Kapelle“ unseres Hauses.

P. Adrian Kunert SJ

Freitag, 29. Mai 2026

Die Heilige Dreifaltigkeit – Ideenfeste

oder 1+1+1=1?   : )

In der alten Kirche, eigentlich bis ins frühe Mittelalter, wurden nur Feste gefeiert, die sich auf bestimmte Ereignisse im Leben Jesu bezogen. So sagt noch Thomas von Aquin sinngemäß: Wenn Du heilig werden willst, feiere das Kirchenjahr mit; denn es ist keine Zeiteinteilung, sondern die Beziehung zu einer Person, Jesus Christus. Geburt, Leiden, Sterben, Auferstehen und die Sendung des Heiligen Geistes, all das ist verknüpft mit der Person Jesu Christi und bestimmten Ereignissen im Leben Israels und damit auch in Jesu Leben. Aber es gibt bestimmte Glaubenslehren, für die es keinen historischen Anlass gibt, die aber so zentral sind, dass man ein Fehlen im Jahreskreis als Manko erlebte. Der Wunsch nach diesen „Ideenfesten“ wurde stärker: Dreifaltigkeit, Fronleichnam, Herz-Jesu.

Das im Jahreskreis zeitlich erste ist das Fest der Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit Gottes, je nachdem, welchen Aspekt Gottes man mehr betonen möchte. Dass der eine Gott dreifaltig ist, Vater, Sohn und Geist, wissen wir aus Seiner Offenbarung. Wenn man erst einmal verstanden hat, was das meint, sieht man es auch in der ganzen Schöpfung, denn Gott hat alles in dieser Weise geschaffen. Aber wie bei vielem gibt es heute einige Verständnisschwierigkeiten mit den Worten, die sich über die Jahrhunderte in ihrer Bedeutung gewandelt haben.

Dienstag, 12. Mai 2026

Ostern – Himmelfahrt – Pfingsten

Ohne den Heiligen Geist wäre Kirche als „nur eine Institution“ schon verschwunden

Eigentlich ist es doch ganz leicht zu merken: Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu, zu Himmelfahrt das Ende der speziellen Art und Weise, wie Er nach Seiner Auferstehung mit Seinen Jüngern unterwegs war. Und Pfingsten? Ja, da kommt der Heilige Geist und wir feiern den Geburtstag der Kirche. Aber was hat das mit uns zu tun? Knapp 2000 Jahre später? Warum ist der Heilige Geist für die Kirche von so großer Bedeutung?

Schauen wir einmal zurück. Zur Zeit, als Jesus auf Erden wandelte, gab es in Israel viele Sekten, Strömungen und Gruppen, die sich untereinander oft nicht grün waren. Selbst das, was man für die Bibel hielt, war nicht klar. Alle waren sich einig, dass die fünf Bücher Mose dazu gehören. Das war es aber auch schon in Bezug auf die Gemeinsamkeiten zum Beispiel für die Sadduzäer, die Jerusalem und den Tempel beherrschten. Weder die Propheten, noch die Weisheitsliteratur (die Schriften) gehörte dazu. Darunter waren die Gebote zur Abgrenzung gegen die „Heidenvölker“ ganz wichtig, hier vor allem die Speisegebote. Unter den Makkabäern (ca 180 v. Chr.), als auch die Gruppe die Pharisäer entstanden, sind Juden dafür gestorben, sich nicht „unrein“ (unfähig am Tempelkult teilzunehmen) machen zu müssen.

Dienstag, 31. März 2026

Osterfriede

oder: Der Mann, dessen Zweiter Weltkrieg 30 Jahre dauerte

Hiroo Onoda erhielt 1944 mit drei Kameraden den Befehl, eine Stellung auf den Philippinen zu halten, als die Amerikaner dort landeten. Er war damals 22 Jahre alt und nahm diesen Auftrag sehr ernst, wie alle seine Mitstreiter. Die Flugblätter der US-Amerikaner, die am 15. August 1945 das Ende des Krieges verkündeten, hielten er und seine Kameraden für feindliche Propaganda. Sie lebten weiter, überfielen ab und an philippinische Militärposten. Als sich 1949 ein Kamerad ergab, wurden die Behörden auf die skurrile Situation aufmerksam. Alle Kontaktaufnahmen scheiterten. Bei Überfällen auf philippinische Militärposten starben die anderen Kameraden Onodas. Hiroo Onoda blieb 30 Jahre allein im Krieg, im Jungle. In den 70ern wurde man auch in Japan auf ihn aufmerksam. Er akzeptierte den Befehl seines damaligen Vorgesetzten und ergab sich in Uniform und lieferte sich am 9. März 1974 mit Schwert, Gewehr, einigen Handgranaten und 500 Schuss Munition den Siegern aus. Weil er seinem Vorgesetzten glaubte, kam schließlich auch er äußerlich vom Krieg in den Frieden nach 30 Jahren Krieg.

Dienstag, 24. März 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 6: Trauer-Fasten

Wie schon im Einleitungsartikel erwähnt, gibt es auch das Trauer-Fasten. Traditionell ist das in der Bibel eine kurze Zeit: zum Beispiel anlässlich des Todes Sauls, Jonathans und Israels in der Schlacht gegen die Philister (2 Sam 1,11-12). Das Trauer-Fasten stammt ursprünglich daher, dass einem bei ganz schlechten Nachrichten das Essen sowieso vergeht. Aber es muss ja nicht dabei stehen bleiben, es kann der Beginn eines Reifungsprozesses sein. 

Ich, wenn ich mich bei Jesus wieder über mein schweres Los beklage.

Jeder von uns wird wahrscheinlich in seinem Leben schon einen Verlust zu tragen gehabt haben, der einem bis jetzt nachgeht; vielleicht war es der Tod eines Elternteils in einem frühen Alter oder der einer Schwester durch einen Autounfall. Vielleicht war es aber auch nur der Tod einer Beziehung, von der wir dachten, dass sie ewig hält; und nun stehen wir da mit den Bruchstücken unserer einstigen großen Liebe, unserer heilen Welt und – es schmerzt immer noch, obwohl schon so viele Jahre vergangen sind! Oder wurden Sie gemobbt, haben Gewalt erfahren oder sind überhaupt nie richtig wahrgenommen worden? Sie werden da vielleicht selber das eine oder andere einfügen können. Der Möglichkeiten für alten Schmerz sind viele.

Mittwoch, 18. März 2026

19. März: Der heilige Josef – stiller Helfer im Hintergrund und die Wunder von heute

Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts waren schwere Zeiten. Die Versorgung für die Armen war mehr oder minder zusammen-gebrochen, weil die Fürsten sich durch die Säkularisation zwar reichlich an den Gütern der Klöster gütlich getan hatten, aber natürlich nicht die Aufgaben der Klöster mit übernommen hatten; immerhin gingen 25% der Einkünfte von Benediktinern und Zisterziensern in die Armen- und Pilgerfürsorge. 1816 explodierte der Vulkan Tambora und führte zu einem Jahr ohne Sommer und zu ersten von ca. 18 Hungersnöten, die 1846 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten. Neben der Kartoffelfäule (ab 1842) führte auch auch eine liberale Wirtschaftsideologie und die Industriali-sierung zu einer Landflucht und der Verelendung der Massen, weil die Flüchtlinge oft jede Arbeit annehmen mussten, um zu überleben. Millionen aus dem deutschsprachigen Raum folgten bald den Strömen der Iren, die früher schon vor dem Hungertod (1.000.000 Tote 1846 allein in Irland) nach Amerika und Australien geflohen waren. Auch gesellschaftlich war es eine Zeit des Liberalismus im geistigen Sinne. Antikirchliche Ideologien wurden überall stark. Im Kulturkampf dieser Zeit versuchte man das Verhältnis Staat Kirche von staatlicher Seite aus gewaltsam neu zu regeln. Es war eine Zeit, wo man eine gesellschaftliche Geborgenheit stark vermisste. Man sehnte sich einerseits nach Stabilität und Sicherheiten andererseits aber konnte man auch überall Graswurzelaufbrüche in den Millieus sehen. Man sah wie neue Orden entstanden, die sich um Arme und Kranke sorgten. Kolpingvereine kümmerten sich um Gesellen auf der Walz, um deren Abhängigkeiten und die Ausbeutung etwas zu verringern.

Dienstag, 17. März 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 5: Bräutigam-Fasten

Ein Jünger eines religiösen Meisters nervte seinen Meister immer wieder mit der Frage: „Meister, wie sehr soll ich mich nach Gott sehnen?“ Der Meister gab darauf nie eine Antwort. Eines Tages war die Gruppe am Fluss, um zu baden. Da stellte der Jünger wieder diese Frage. Der Meister packte ihn und hielt ihn lange unter Wasser. Der Unglückliche zappelte, aber der Meister war stark. Als er den Jünger wieder hoch kommen ließ, japste er nach Luft. Da fragte ihn der Meister: „Warum hast du so gezappelt?“ „Weil ich keine Luft mehr bekam!“ „So“, antwortete der Meister „musst du dich nach Gott sehnen.“. (gesammelt und herausgegeben von P. Antony de Mello SJ)

Das ist im Kern auch der Wunsch beim Bräutigam-Fasten. Aber wie kommen wir zu so einer Sehnsucht? Im Matthäusevangelium, im neunten Kapitel, hören wir: 14 Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten? 15 Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten. Die Jünger sind bei Jesus. Sie hören Ihn. Essen mit Ihm. Sie sind gleichsam in den „religiösen Flitterwochen“. Da kommt ja auch keiner auf die Idee zu fasten; denn Jesus, der Grund unserer Freude, ist ja da!

Dienstag, 10. März 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 4: Orientierungs-Fasten

Also vorweg, den Begriff gibt es so nicht. Aber er hebt eine Wirkung des Fastens hervor, die für die persönliche Entwicklung wichtig ist.

Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal länger gefastet haben. Etwas, was dabei geschieht, ist ja, dass man den Magen-Darm-Trakt mehr oder minder still legt. Was das bedeutet, kann man sich mit dem Gegenteil verdeutlichen. Sie haben eine schwere, fettige Mahlzeit hinter sich. Da möchte man nicht aufbrechen zu neuen Horizonten, sondern erst mal ruhen. Alles Blut strömt zum Magen und zum Darm und das Hirn wird müde und matt. Wenn man das Gegenteil tut, also nichts isst, vielleicht sogar mit dem angemessenen Ritual des Anfangens, also zwei Tage kein Fleisch mit viel Gemüse und wenig Obst sowie einer angemessenen Darmentleerung, stellt man nach der Umschaltung auf Fettverbrennung, die sich durch einen Kopfschmerz meist am zweiten Tag ankündigt, etwas eigenartiges fest. Zuerst verschwindet auch das Hungergefühl. Danach aber entwickelt sich eine Leichte im Magen-Darm-Bereich. Ablenkungen, wie Magenknurren oder ähnliches, tauchen nicht mehr auf und man kann sich auf geistige Prozesse viel besser konzentrieren. Warum eigentlich?

Dienstag, 3. März 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 3: Gerechtigkeits-Fasten

Das heutige Thema ist eigentlich das zentrale Thema bei biblischem Fasten. Um das recht zu verstehen, muss man aber verstehen, was „Gerechtigkeit“ in der Bibel meint. Kurz gesagt geht es um das rechte Verhältnis von Gott zu den Menschen und der Menschen untereinander. Dem dienen eine ganze Reihe von Gesetzen im Gesetz des Mose, die so nie umgesetzt worden sind. Die aber zum Verständnis, auch der Kritik der Propheten, wichtig sind, zu wissen.

Vom mosaischen Gesetz her gibt es kein Privateigentum an Boden. Dieser gehört weiterhin Gott. Jeder Stamm erhält ein bestimmtes Gebiet. Wenn durch Missernten oder andere Not jemand Boden verkaufen muss, verkauft er nicht den Boden an sich, sondern die erwarteten Ernten bis zum Jobeljahr. Nach sieben mal sieben Jahren folgt ein Jobeljahr (daraus entwickelte sich in der Katholischen Kirche die Idee des Heiligen Jahres). Im Jobeljahr fiel aller Grund wieder dem Stamm, dem Clan und der Familie zu, die ihn ursprünglich besessen hatte. Mit dieser Idee sollte in der agrarischen Gesellschaft verhindert werden, dass sich einerseits Superreichtum entwickelt andererseits aber auch Armut, weil jeder von seiner Scholle leben kann. Damit war aber spätestens seit der Königszeit auch theoretisch Schluss. Die Spanne zwischen arm und reich wuchs und damit auch der Abstand zwischen Gott und Seinem Volk.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 2: Heiligkeitsfasten oder Abstinenz

Die kleine Schwester des Fastens ist die Abstinenz. Man enthält sich gewisser Substanzen, Speisen oder Verhaltensweisen zeitweise oder ganz. Berühmt sind diesbezüglich die Mosaischen (Speise-)Gebote. Sie gelten als die ältesten kodifizierten Abstinenzregeln (berühmt: Kein Schweinefleisch). Wozu dienen diese Regeln? Warum wurden diese von den Muslimen übernommen, aber nicht von den Christen, die ja anfangs als jüdische Sekte galten?

Den ersten Zugang zum Sinn der (Speise)Gebote kann man ableiten aus Levitikus (3Mo) 19 Der Herr sprach zu Mose: Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig. Ganz Israel soll „heilig“ sein. Nun meint „kadosh“ im Hebräischen nicht nur „heilig“, sondern es bedeutet auch „abgesondert“. Es geht im ganzen Buch Levitikus genau darum: abgesondert zu sein vom Lebenswandel der Völker ringsum; und auch innerhalb Israels noch einmal einen abgesonderten Raum zu schaffen, um dort Gott begegnen zu können (Offenbarungszelt und später der Tempel). Israel sollte lernen alles zu lassen, was „unrein“ ist und „unrein“ macht, damit das gelingen konnte.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Gedanken für die Woche 1: vom Heilfasten zum Fürbittfasten

Heilfasten klingt heute vertraut, da man offensichtlich etwas Gesundes für sich tut. Und in der Tat, solches Tun hat auf der persönlichen Ebene viele gesunde Effekte, wenngleich Hardcore-Interpreten eine mangelnde und sichere Studienlage dazu behaupten würden (und Fasten allein in der Tat auch kein sicherer Weg für eine nachhaltige Gewichtsreduktion ist). Aber in der Bibel wird das Fasten auch zur Unterstützung der Fürbitte genutzt, sowohl bei Heilung als auch bei Befreiungsgebet. Die Jünger sind einmal irritiert, warum sie einen (wir würden heute sagen epileptischen) Jungen nicht heilen konnten. Jesus sagte darauf: Diese Art kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden. *

Wie funktioniert jüdisch/christliches Fasten technisch?

Mittwoch, 11. Februar 2026

Fastenzeit – vorösterliche Bußzeit – Ziele des Fastens

Am Aschermittwoch ist alles vorbei... Sie kennen vielleicht dieses Lied, das vor allem im Rheinland zur Mitternacht vom Dienstag zum Aschermittwoch auf den Sitzungen gesungen wird. Danach ist alles vorbei, was mit Karneval, Fasching etc. zusammenhängt. Viele werden froh sein, dass es nun endlich vorbei ist und man wieder etwas „Entgiftendes für den Körper“ tun kann.

Die Ziele biblischen Fastens

Heute im Westen ist das „Fasten“ ja oft eine Life-Style-Entscheidung vor dem Hintergrund von Selbstoptimierung bzw. „innerer Reinigung“.

Das war zu biblischer Zeit nicht so. Das Leben war immer bedroht von regionalen oder globalen Katastrophen, die zu Ernteausfällen und damit zu Hungerperioden führten. „Fasten“ war da etwas, womit man Hingabe an ein Ziel verband und Stärke des Willens, da dran zu bleiben. Es gibt in der Bibel Beispiele, wo selbst ein spontanes eintägiges (Trauer)Fasten erwähnt wurde; zum Beispiel anlässlich des Todes Sauls, Jonathans und Israels in der Schlacht gegen die Philister (2 Sam 1,11-12). Generell aber kann man sagen, dass Fasten in der Bibel vor allem dazu dienen sollte, etwas in und um die Gemeinschaft herum sozial zu verbessern. Das wird auch immer wieder von den Propheten eingefordert. Bei heutigem Fasten muss der Verzicht auf Speise nicht immer im Zentrum stehen. Vergleiche die evangelische Initiative „7 Wochen ohne“. Es sollte auch heute immer der Blick auf die Erbauung der Gemeinschaft mitgemeint werden.

Bild von Raquel Candia auf Pixabay 

Sonntag, 1. Februar 2026

Welttag der Kranken – 11. Februar (2026)

 

Wo das Evangelium verkündet wird, geschieht nie nichts – außer man blockiert es selber.

Von Anfang war Christen die Sorge und das Gebet für die Kranken besonders wichtig. Darum gab und gibt es so viele Orden, die sich rund um die Krankenfürsorge gebildet haben und auch so viele kirchliche Träger im Gesundheitswesen.

Auch das Gebet um Heilung spielte immer eine große Rolle.
Jakobus 5 14 Ist einer unter euch krank, dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. 15 Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.

Meist wurden also die Priester (=Ältesten der Gemeinde) zu den Kranken gerufen, um für sie zu beten und sie mit Öl zu salben. Daraus entwickelte sich unsere Krankensalbung.

Am 11. Februar ist wieder der Welttag der Kranken. Es wird zwar auch eine zentrale Veranstaltung geben (das Bild ist ist im Monat vor dem Shut down 2020 entstanden), aber auch in den Gemeinden gibt es Gottesdienste. Wir werden auch hier nach unserer Messe um 8:00 eine Krankensalbung anbieten.

Wofür beten wir, wenn wir das Sakrament so in der Gemeinschaft anbieten?
Ursachen von Krankheit sind oft auf mehreren Ebenen zu finden.

1. Ebene: eigene Schuld – manchmal sind es eigene Angewohnheiten oder auch Sünden (bewusste Entscheidungen, die sich auch verfestigen können, dann spricht man von Lastern), die krank machende Auswirkungen haben. Dafür braucht es zuerst Einsicht und Buße. Das händeln wir nicht öffentlich, sondern es geschieht im Beichtsakrament oder im geistlichen Gespräch (Manchmal muss man sich erst mal darüber klar werden, wo der Hase im Pfeffer liegt). Wenn man da nicht ran geht, bringen auch weitere Behandlungen nichts.

2. Ebene: innere Verletzungen, Festlegungen... hier geht es um die vergiftenden Erfahrungen, die mir andere Menschen oder Prozesse angetan haben. Bruch von Partnerschaften, Erfahrungen von Verrat und Zurückweisung, Zurücksetzungen und Verleumdungen; Selbstfestlegungen und „Lebenslügen“, die andere über mich gesprochen haben... all das kann tiefe Wunden hinterlassen und krank machen. Das ist eine der klassischen Dinge, wenn nicht angegangen, die chronische Erkrankungen auch auf physischer Ebene triggern können. Wenn das nicht auf dieser Ebene angegangen wird, können physische Leiden sich auch chronisch manifestieren. Da ist das, was hier bei der Krankensalbung ansatzweise passieren kann.

3. Ebene: physische Heilung – das ist das ganze Feld, worum es auch hier im Krankenhaus geht, wo wir um Heilung oder/und einen guten Verlauf beten. Auch hierfür beten wir im Gottesdienst.

4. Ebene: geistliche Ebene/Befreiung – machen (/forcieren) wir nicht in diesen kürzeren gemeinsamen Gottesdiensten.

Wie krank muss man dafür sein? Ich würde sagen: Wenn Sie fühlen, dass Sie innerlich etwas ausbrennt, wenn Ihnen das Leben „schon immer“ sehr, sehr mühsam vorkommt und Sie immer nur mehr überdauern als froh zu leben, dann sollten Sie mal darüber nachdenken, ob das was für Sie wäre. Natürlich können Sie uns von der Seelsorge auch außerhalb dieses Gottesdienste ansprechen. Was aber und in welcher Reihenfolge es geschieht, bleibt aber in Gottes souveräner Hand.

P. Adrian Kunert SJ 

Dienstag, 27. Januar 2026

Lichtmess, Darstellung des Herrn und Weihnachten

Ihnen ist ja vielleicht aufgefallen, dass bei uns der Weihnachtsschmuck in der Kapelle und davor immer noch steht. Das war in den vergangenen Jahren nicht so. Pünktlich nach dem Ende der heutigen Weihnachtszeit (Taufe Jesu) wurde der Schmuck abgebaut. Aber der Schmuck sieht so schön aus, dass wir ihn bis zum alten Ende der Weihnachtszeit stehen lassen möchten, also bis zum 2. Februar – 40 Tage nach Weihnachten.

Biblisch war das der Tag, an dem Maria und Josef Jesus mit in den Tempel genommen haben, um ihr Opfer darzubringen, ein paar junger Tauben (Zeichen, dass sie arm sind). Damit sollte der Erstgeborene Jesus ausgelöst (jede männliche Erstgeburt gehörte dem Tempel/Gott) werden und zur Reinigung der Mutter. (Letzteres hängt mit kultischen rein/unrein-Regeln zusammen, die hier zu erläutern auch zu weit führen würde.) Dieser Tempelbesuch wird als Darstellung des Herrn bezeichnet. Das ist auch der liturgische Name dieses Festes.

Da Christen in Jesus den Sohn Gottes, das Licht der Welt und den König der Könige sehen, wurde schon in antiker Zeit dieses Fest so gefeiert, wie man den Besuch des Königs feiern würde. Die Bewohner der Stadt zogen ihm mit Lichtern (Fackeln, Kerzen) entgegen und begleiteten ihn voll Freude in ihre Stadt. Das passiert in vielen Kirchen und Kapellen auch heute in kleinerer Dimension. Wir treffen uns z.B. hier im Hause am 2.2. zu Beginn der Messe um 8:00 Uhr im Eingangsbereich unserer Kapelle. Hier segnen wir die Kerzen und ziehen damit zum Altar, um zu verdeutlichen, dass wir unseren König, das Licht der Welt, begleiten und Ihm nachfolgen möchten. Diese Kerzen sind aber nicht nur für diese Feier gedacht, sondern werden auch für das restliche Jahr gebraucht, z.B. im Altarraum. Darum hieß das Fest früher auch: Lichtmess.

Der Stern von Bethlehem markierte als Licht den Beginn dieser Zeit, die Lichterprozession das Ziel unseres Heils, Jesus, das Licht der Welt.

Mittwoch, 14. Januar 2026

18. Januar Mutter Regina Protmann

Loyalität, Gehorsam, der Wille Gottes und das persönliche Gewissen


Finden wir es nicht alle gut, wenn wir uns aufeinander 100%ig verlassen können? Für viele ist die Familie so ein Ort. Zu wissen, da ist jemand da für mich, und das nicht nur, wenn der andere etwas von mir will. Nun sind Großfamilien nicht nur und nicht immer Orte des gepflegten Rückzugs und der sicheren Heimat. Gerade, wenn man aus manchen alten Familien kommt, weiß man, dass es da auch Dinge gibt, die man nicht sagt oder tut - oder die im Keller ruhn.

Und was passiert erst, wenn die Familie nach innen und außen Böses tut? Gibt es da Grenzen von Loyalität und Gehorsam? Wir kennen die alten Mafia-Familien, die neue Clan-Kriminalität... Da wird Loyalität und Gehorsam oft noch mit Gewaltandrohung „unterstützt“. Aber es muss ja nicht immer etwas Böses sein, was die Familie will. Ich kann mich entsinnen an einen Jugendlichen, dessen Vater Chefarzt war und die Mutter Stationsleitung und er sollte nach dem Willen der Eltern auch Arzt werden. Von den Leistungen her überhaupt kein Problem. Aber der Junge wollte nicht. Er wollte Tischler werden... knifflige Situation.

Samstag, 27. Dezember 2025

Trinkt die Liebe des heiligen Johannes

Falls Sie demnächst einen Kumpel besuchen, der auf einem Planeten wohnt, der ALUDRA (ɳ) [7h24m -29°18'] im Sternbild „Großer Hund“ umkreist und der ein sehr, sehr, sehr, sehr gutes Teleskop hätte und Sie die Erde ins Visier nähmen, könnten Sie nachsehen, was Jesus gerade macht; denn Aludra ist ca. 2000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Sie müssten da natürlich ganz genau hinschauen, denn auch wenn das immer noch unsere kosmische Nachbarschaft ist, ist das doch alles recht klein, was man da sähe. Und weil das Licht 2000 Jahre dahin unterwegs war, würde man erst jetzt sehen können, was weiland alles hier auf Erden so passiert ist. Und Ton hätten sie auch keinen.

Menschliche Technik ist bislang noch nicht mal in der Lage, sich die Planeten anzusehen, die um Proxima Centauri kreisen; und das sind nur gut vier Lichtjahre. Gott sei Dank aber brauchen wir das auch nicht, um in Jesu Leben zu schauen; denn wir haben Augen- und Ohrenzeugen, die uns darüber berichten. Am 27. Dezember feiern wir einen dieser Zeugen, den Evangelisten Johannes. Über sich sagt er in seinem Evangelium immer nur „der Jünger, den Jesus liebte“. Johannes ist wohl der Jüngste des Zwölferkreises. Darum wird er in der Kunst sehr oft bartlos dargestellt. Das Johannesevangelium ist in mehrfacher Hinsicht faszinierend. Zum einen scheint es, dass Johannes die beste Orts- und Zeitkenntnis unter den Evangelisten hatte, zum anderen aber hat er von den vielen Begebenheiten aus Jesu Leben nur bestimmte ausgesucht und angeordnet, um sie erläuternd zu erzählen. „Wunder“ heißen bei ihm konsequent „Zeichen“. In seinen Briefen taucht das einzige Mal in der ganzen Bibel die wunderbare Wesenszusammenfassung Gottes auf: Gott ist Liebe (1 Joh 4,16).

Das Fest des Evangelisten Johannes so kurz nach Weihnachten finde ich persönlich sehr schön: Öfters hört man ihn in seinem Evangelium sagen: Komm und sieh! Oder Kommt und seht! Mal sagt das Jesus, mal sagen das seine Jünger. Sich nicht nur aufs Hörensagen verlassen, sondern in die „selige Schau“ (visio beatifica) unseres Heils sollen wir nicht erst nach unserem Tode kommen. Da ist es schön, wenn es um dieses Fest noch einen kleinen Brauch gibt. Wir segnen Wein und verteilen ihn im Anschluss an den Gottesdienst mit den Worten: Kommt und trinkt die Liebe des heiligen Johannes.

Ich wünsche Ihnen im Nachgang des Weihnachtsfestes, inmitten der Weihnachtszeit, dass sie noch sehr dieses heilige Geschehen verkosten und verschmecken können. Seien wir froh, dass wir nicht auf gute Teleskope angewiesen sind, um Jesus zu sehen; denn wir haben ja Kunde von dem, der beim Abendmahl am Herzen des Sohnes lag.

P. Adrian Kunert SJ

Bild ist entnommen: https://de.wikipedia.org/wiki/Aludra 

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Die vierte Dimension des „Ankommens“ Jesu, des Christus

Warum kommt Jesus in Herrlichkeit?
Oder: Es ist alles schon in trockenen Tüchern.

Es gibt immer wieder Zeiten in unserer Welt, in denen die apokalyptischen Texte der Bibel eine besondere Relevanz haben; Zeiten, in denen es sich so anfühlt, als habe Gott nicht alles im Griff; Zeiten, wo man den Eindruck hat, dass Chaos und böse Menschen immer mehr Einfluss gewönnen und diese damit durchzukommen scheinen, dass sie anderen Böses antun; Zeiten, in denen unsere Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten zerbrechen. Apokalypse wird aber oft missverstanden. Viele bleiben beim „Vorletzten“ stehen: beim Chaos, der Verwirrung, dem Tod und der Zerstörung. Aber Apokalypse bedeutet eigentlich: „Offenbarung“, wie es wirklich ist. Wir sehen, wie im alles umfassenden Hintergrund, in der geistigen Welt alles, was nötig ist, damit alles gut wird, letztlich schon geschehen ist. Die „Katastrophen“ erscheinen durch diesen neuen Zusammenhang nur mehr als die Geburtswehen des neuen, alles umfassenden Heils Gottes für uns; nicht weil unser Leid und die Katastrophen jetzt und hier belangloser oder weniger schmerzhaft würden, sondern einfach nur, weil wir nun die größeren Zusammenhänge verstehen. In diesen Wehen können wir unsere Treue und unser Vertrauen in die Verheißungen Gottes stärken, weil eben alles Böse schon überwunden ist und es nur noch weniges braucht, bis es auch für alle offenbar wird.

Wenn ein Mensch also Ja zum Weg Gottes in Jesus gesagt hat – ist dann nicht alles auf einmal leicht. Aber wir brauchen unsere manchmal schweren Wege nicht mehr alleine zu gehen. Vor allem brauchen wir keine Angst mehr zu haben. Wir können dieser wachsenden Beziehung um so mehr trauen, je mehr wir dieses kleine Kind in allen Seinen Dimensionen kennen und lieben lernen und entdecken dürfen. Alles beginnt mit diesem unfassbaren Großmut Gottes in der Krippe von Bethlehem. Ein Satz von Dietrich Bonhoeffer kommt mir als Abschluss dieser Serie in den Sinn:

Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle Seine Verheißungen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Restzeit des Advents in der vierten Woche, die nur selten wirklich sieben Tage enthält als Zeichen dafür, dass die endgültige Herrlichkeit Gottes für uns kein Ende hat (siehe Legenda Aurea vom ersten Artikel dieses Zyklus').

 Bild von Anni Rönke auf pexels.com 

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Die dritte Dimension des „Ankommens“ Jesu, des Christus

Warum ist Jesus in unseren Tod gekommen?
Oder: Ist etwas gut, weil Gott es befiehlt? Oder befiehlt Gott etwas, weil es gut ist?







iStock Romolo Tavani

Jesus ist Mensch geworden, damit Er uns nicht nur Gottes frohe Botschaft bringt, sondern damit Er uns auch zeigen kann, dass Gott uns bis zum Ende liebt durch alle Ablehnung, den Spott und die Zurückweisung des Menschen hindurch – selbst wenn es Ihn das Leben kostet.

Manchmal wird man gefragt, warum Gott für unsere Sünden sterben musste? Sollte nicht jeder nach dem beurteilt werden, was er getan oder gelassen hat? Nun ja, das ist richtig – aber dann wäre der Himmel leer; denn Gott ist unvergleichlich und vollkommen (=heilig) – und so hat Er auch uns geschaffen, frei um zu lieben, also aus dem Vertrauen aufeinander zu leben. C.S. Lewis sagte einmal: Himmel ist, wenn der Mensch zu Gott sagen kann: Dein Wille geschehe. Hölle ist, wenn Gott sagen muss: dein Wille geschehe. Sünde ist diese selbstverschuldete Einsamkeit, in der der Mensch nehmen wollte, was nur in Beziehung geschenkt werden kann. Aber wie kann unsere Sünde weggenommen werden, ohne unsere Freiheit und damit Liebesfähigkeit zu zerstören?

Könnte Gott denn nicht einfach menschliche Sünden wegnehmen, indem Er es sagt? Warum dieser scheinbar lange Umweg über Menschwerdung, Werbung um die Aufmerksamkeit der Sünder und dann sogar Seinen Tod für sie?

Sünde (selbstverschuldete Trennung von Gott) bedeutet Tod und führt zum Tod. Warum Gott diesen „Umweg“ geht, kann man sich klarmachen, wenn man sich ein Kapitalverbrechen vor Augen führt. Wenn der Schuldige einfach nur begnadigt würde, sähe es für ihn so aus, als hätten seine Taten für ihn keine Folgen. Aber wenn sein Opfer getötet wurde oder anderes schweres Leid erdulden musste, braucht es Gerechtigkeit. Angesichts von Gottes Heiligkeit ist jede Sünde dergestalt, dass wir uns dadurch von Gott getrennt haben (= Hölle). Aus dieser Situation kommen wir ohne Gott nicht heraus. Wir brauchen Seine Barmherzigkeit. Gott bindet sich selbst an das Recht, denn sonst wäre er ein Willkür-Gott. Darum muss Gott auch ein gerechtes Urteil sprechen, was die Sünde verdient. Aber jetzt kommt Seine Barmherzigkeit ins Spiel. Er lässt uns nicht allein, sondern übernimmt unsere Strafe freiwillig – und das ist das Kreuz. Und um uns diese Liebe bis zur Vollendung zeigen zu können, wurde Gott Mensch. Thomas von Aquin hat diese Haltung Gottes so zusammengefasst:

Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit
ist Grausamkeit;
Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit aber
ist die Mutter der Auflösung.

Aber annehmen müssen wir diese Liebe selber.


Mittwoch, 3. Dezember 2025

Die zweite Dimension des „Ankommens“ Jesu, des Christus

Freiheit – oder warum gibt es Böses in der Welt und warum lässt Gott das zu?

Gott hat mit jedem einzelnen Menschen wohl mehr Mühe als mit der Erschaffung des ganzen Weltalls – denn Er hat uns als freie Wesen geschaffen. Gott will uns nicht zwingen, Ihn zu lieben; denn dann wäre das keine Liebe mehr, sondern Abhängigkeit. Das zeigt sich aber auch schon immer als Problem in der Geschichte der Menschheit; denn Menschen neigen dazu, „Abkürzungen“ zu nehmen, gerade, wenn sie etwas nicht verstehen. Diesen Weg nennt man kirchendeutsch: Sünde. Und der führt immer wieder zur Katastrophe. Es gibt immer wieder zwischendurch grandiose Beispiele, wie Menschen Gottes Ansprechen gut aufnehmen, aber das versandet immer recht zügig wieder.

Die zweite Dimension hat also mit der Frage zu tun, wie Gott einerseits unsere Freiheit und damit Liebesfähigkeit bewahren kann und andererseits etwas tun kann, damit wir nicht im Bösen untergehen. Gottes Lösung ist eine Einladung; Er wirbt mit sich als Kind. Er zeigt von Anfang an Liebe, die in den Schmutz und das Leid der Welt geboren wird, damit wir ihn überall finden können. Die Antwort auf diese zweite Frage hat der Dichter Angelus Silesius trefflich auf den Punkt gebracht:

Und wäre Christus 
tausendmal in Bethlehem geboren
und nicht in dir,
so bliebest du doch ewiglich verloren.

Die zweite Dimension des Ankommens also bedeutet:
Jesus muss nicht nur in Bethlehem geboren sein, sondern auch in mir,
damit ich so in der Gemeinschaft mit Gott leben und wachsen kann.
Dazu braucht Er nichts von mir; keine Leistung, keine Werke,
sondern nur mein Ja und damit auch meine Bereitschaft, umzukehren hin zu Ihm,
damit Er mich in Seiner Liebe umgestalten und meine inneren Wunden heilen darf.

Das macht Gott nicht gegen meinen Willen.
Er ist ein Gentleman und wartet, 
bis Er von uns eingelassen wird (Offenbarung 3,20).

Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay 

Mittwoch, 26. November 2025

Die erste Dimension des „Ankommens“ Jesu, des Christus

Wie kann Gott überhaupt mit uns reden? – Menschwerdung

Warum ist Gott Mensch geworden? Das verstehen weder Juden noch Muslime am christlichen Ein-Gott-Glauben. Im Tiefsten geht es dabei auch um die Frage, wie kann der ewige Schöpfer von allem mit Seiner Schöpfung in Kontakt treten, wenn Er so ganz anders ist?

Jedoch weisen alle drei Religionen ähnliche Antworten aus, oft nicht bis zu Ende geklärt. Im Judentum gibt es zum Beispiel in mittelalterlichen rabbinischen Diskussionen die Frage nach den zwei Gestalten, die beide mit dem Gottesnamen bezeichnet werden. Das geschieht meist in einem Zusammenhang, wo Gott mit dem Menschen ins Gespräch kommt, aber auch in den Psalmen und bei den Propheten. Im Islam ist die Rede von einem ungeschaffenen Koran bei Allah, gleich ewig..., der dann in den konkreten gedruckten arabischen Büchern sichtbar wird... Das alles sind aber spätere Reflexionen auf das, was in Geschichten-Form offenbart wurde.

So ist es auch im Christentum. Wir alle kennen die Geschichten aus dem Lukasevangelium, wo der Engel Gabriel zu Maria kam und Jesus in ihr aus dem Heiligen Geist gestaltet wurde. Eigentlich müsste man ansetzen an der „Ankunft“ der dritten Woche, wo Er in unseren Tod kam, um das recht zu verstehen. Da bitte ich also noch um Nachsicht, dass dies vielleicht hier noch etwas offen bleiben muss.

Der erste Teil der Antwort ist, Gott wird Mensch, damit wir menschlich werden können. Er wird ein kleines Kind, weil alle anderen vorherigen Brücken, die Gott gebaut hat, spätestens in der zweiten Generation korrumpiert worden sind. Gott (der Sohn) kommt nun selber, damit Gott (der Vater) uns in Jesu menschlicher Gestalt lieben kann, was Er in Ihm (als dem Sohn) liebt. Also müssen wir nicht als Menschen leben, die als höchstes Ziel Gesetze erfüllen; nicht als Menschen, die, weil sie dies nicht können oder wollen, andere ausbeuten, erniedrigen oder selber als Knecht dahin vegetieren müssen. Gott wird ein kleines Kind, weil das niemanden bedroht und wir Ihn so ohne Angst in unser Herz aufnehmen können und Er so in uns wachsen kann. Dieses kleine Kind in der Krippe wird kommen als die ausgestreckte Hand Gottes für alle Menschen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben (Joh10,10).