Dienstag, 15. September 2020

Schmerzen Mariae in Coronazeit

Das Gedächtnis der Schmerzen Mariae, an dem wir eine kleine Feier im Gedenken an die in der Corona Verstorbenen gestalten, ist nur in enger Beziehung zu dem Fest der Kreuzerhöhung vom Vortag richtig zu verstehen.

Die Kreuzerhöhung hat zwei historische Anlässe, die jetzt mal unerheblich sein sollen. Wichtig für uns ist das Festgeheimnis: Menschen kommen immer wieder durch eigene Schuld oder fremdverursacht in schwere Situationen und tiefes Leid hinein. Sie schreien (meist erst ausgelöst durch diese Not) dann um Hilfe zu Gott. Der hört das Rufen, macht aber die Situation nicht ungeschehen, sondern setzt ein Zeichen und eine Handlungsaufforderung. Bei den Israeliten, die von Schlangen gebissen wurden, war es: Blickt auf zur Bronzeschlange des Mose und ihr werdet leben (Numeri 21,4-9). Hierbei ist wichtig: Nicht die Bronzeschlange selbst heilt, sondern das Vertrauen auf Gottes Wort. So ein Zeichen ist Jesus (Johannes 3,13-17), erhöht am Kreuz. Wer Gott wie Jesus bis zum Tod vertraut, wird gerettet.

Das Gedächtnis der Schmerzen Mariae nun lädt uns ein, mit dem empathischen Blick der Mutter Jesu auf Sein Leiden (und wie Er und sie damit umgehen) zu schauen, um selber Kraft zu schöpfen und heil zu werden – wir selber und als Gesellschaft. Wenn wir dieses Gedenken am heutigen Tag feiern, gedenken wir also nicht nur der Leidenden und Verstorbenen im Zusammenhang mit Corona, sondern vergewissern uns auch, warum es gut ist, die oft sehr störenden (AHA-)Regeln einzuhalten.

Maria, du bist der reine Spiegel der Herrlichkeit deines Sohnes und der tiefe Brunnen Seines Erbarmens, aus dem wir schöpfen können.

GEBET

Gott,
diese Kerzen brennen gegen das Vergessen;
gegen das Vergessen der Toten,
gegen das Verdrängen der Vorsicht,
gegen die gefährliche Sehnsucht alles wieder so haben zu wollen,
wie vor der Krise.

Gott,
diese Kerzen brennen aber auch für etwas;
für das Erinnern,
für die Solidarität,
für das neue Bewusstsein, dass wir und unsere Gesellschaft endlich und
verletzlich sind,
denn nichts ist ewig, wenn es nicht in Dir ist.

Gott,
segne unser Haus: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
die Patienten und Besucher;
segne unser Mühen und schenke unseren Herzen eine Leichtigkeit,
die nur von Dir kommen kann;
segne unsere Stadt und unser gemeinsames Haus Europa,
damit wir gestärkt und mit einem besseren Fokus aus dieser Krise hervorgehen.

Und Gott,
behüte uns vor denen, die die Gesellschaft verwirren,
die Krise und damit die Vorsicht kleinreden,
behüte uns vor denen, die Sorglosigkeit predigen,
und damit alle bisherigen Erfolge gefährden,
behüte uns vor denen, die aus Angst heraus alles herunterfahren wollen.

Gott,
schenke uns eine wache Gelassenheit und den Geist liebender Unterscheidung,
die uns das Nötige weiterhin tun lässt,
die aber den Nächsten und seine Nöte im Blick behält.
So segne und behüte Euch der allmächtige und liebende Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Freitag, 19. Juni 2020

Das Heiligste Herz Jesu


katholischer Zentralzugang zu Gott

Vielen sind die Andachten fremd, die heute und an jedem Herz-Jesu-Freitag gebetet werden. Das liegt wohl vor allem auch an der Sprache, die da genutzt wird und den Bildern und Ausdrücken einer Zeit, die heute vielen fremd ist. Das liegt aber nicht nur an der alten Sprache, sondern auch daran, das mit der Fokussierung nach dem Konzil auf die Messe, die liturgische Frömmigkeit zwar zunehmen sollte, dies aber vor allem dadurch erreicht wurde, dass alle anderen Formen zurückgefahren wurden. Dabei ist die Liturgie, dieser Kern unseres Betens, nur dann die Mitte eines Rades, wenn es auch Speichen und eine Lauffläche aufzuweisen hat, die die Kraft aus der Mitte auch übertragen kann. Früher, so sagte man, konnte man Katholiken erkennen an den Schwielen auf den Knien, heute gibt es auch Schwielen, aber am Hintern. Oftmals sind Sitzungen und das Reden miteinander wichtiger geworden als das Ruhen und Sein vor Gott und das Zwiegespräch mit Ihm. Man muss sich nur mal vergegenwärtigen, wieviel Zeit man in der Gemeinde für Sitzungen verwendet im Vergleich zu der Zeit, die man gemeinsam im Gebet vor Gott verbringt.

Dienstag, 12. Mai 2020

Von Coronastarre, Pfingstnovene und Schnutenpulli

Die Jünger saßen in ihren Häusern. Fenster und Türen waren geschlossen, denn sie befanden sich in Quarantäne und konnten  nicht mehr heraus. Sie hatten Angst, sich eventuell auch anstecken zu können. Aber es gab noch unendlich mehr Türen und Fenster, die verschlossen waren. Krankheiten, die hinter der normalen Coronaberichterstattung verschwanden.
Wie sieht es mit meinem Krebs aus?
Werde ich nach der Krise noch einen Job haben?
Wie hat sich die Krise auf meine Beziehungen und Freundschaften ausgewirkt?
War letztlich mein Glaube der Fels meiner Entscheidung oder nicht doch eine Form der Angst?
Die Jünger waren in ihren Häusern. Fenster und Türen waren verschlossen und sie hatten allen Grund dazu Angst zu haben, damals wie

Mittwoch, 8. April 2020

Systemrelevanz von Kirche und Osterhase

Neuseelands Premierministerin hat den Osterhasen als systemrelevant bezeichnet. Er darf also auch weiterarbeiten, wenn das meiste „nicht“ Systemrelevante schließen muss. Was wie eine drollige Nachricht klingt, die vor allem für die Kinder Neuseelands wichtig scheint, offenbart aber eine wichtige Frage. Was und wie nehmen wir etwas anderes wahr, als das, was gerade für unseren privaten Krisenmodus wichtig ist? Was macht das mit den Kindern? Wie geht es den besonders schutzbedürftigen Isolierten? Wird unser kulturelles Leben überleben? Gibt es den Bürgerkrieg in Syrien eigentlich noch und die Flüchtlingslager entlang diverser Grenzen? Was nimmt man wahr von der katastrophalsten Heuschreckeninvasion in Afrika seit 25 Jahren, die auf einen Kontinent trifft, der gerade gewaltige Dürrejahre und anschließende Überflutungen erleben musste. Oder von den islamistischen Morden Boko Harams an Christen in Nigeria? Was ist eigentlich mit dem Klimawandel? Wie sieht es mit

Donnerstag, 20. Februar 2020

Motive in der vorösterlichen Bußzeit.

(vulgo Fastenzeit)

Schon Tiere nehmen bei manchen Krankheiten nichts zu sich und unterstützen dadurch die Heilung.

Das bleibt auch abgestuft bei den Religionen ein Motiv. Im allgemeinen möchten aber Menschen, die Fasten nicht zuerst gesundheitliche Aspekte betonen. Einen Begriffsunterscheidung möchte ich gleich zu Beginn nennen: Bei der Abstinenz: Enthaltung gewisser Speisen, Getränke, Substanzen oder Haltungen. Beim Fasten nehmen wir gewollt weniger zu uns, als ich eigentlich täglich brauchen. Dabei geht die Palette vom Vollfasten, (Getränke brechen das Fasten nicht – früher: Bier!); Brot-und-Wasser-Fasten; diverse andere Fasten nach F.X. Mayr (der Pionier des modernen Fastens) vor über 100 Jahren, das Buchingerfasten; Basenfasten, Saftfasten...

Donnerstag, 5. Dezember 2019

2000 Lichtjahre

Der Adventskalender "Andere Zeiten" beginnt am 30.11.2019 mit einer Geschichte, die mich sehr angerührt hat. Frank Hoffmann erzählt, dass seine Tochter beim Betrachten des Nachthimmels an der Nordsee die Frage gestellt habe, welches der am weitesten entfernte Stern sei, den man gerade noch sehen kann. Herr Hoffmann sah später nach und fand: "Chi Aurigae" 2000 Lichtjahre entfernt.

Menschen dort mit einem sehr starken Teleskop könnten also jetzt live sehen, was dieser Jesus hier gerade so macht. Noch ist es die Zeit seines "verborgenen Lebens" wie es die Theologen nennen.

Aber ein Teleskop, dass viel näher kommt haben wir ja bereits. Es ist Sein Leib, die Kirche, die uns auch die Heilige Schrift überliefert hat. Näher ran kommt man sonst nur noch durch den Heiligen Geist. Aber dann ist man auch kein Zuschauer mehr, sondern Teil des Teleskops...

Freitag, 5. April 2019

Lobpreis - von der Aufgabe zur Hingabe

Manchmal ist es wie verhext. Die Band kommt nicht rechtzeitig zusammen; in der Technik steckt der Wurm; die Instrumente scheinen chronisch verstimmt zu sein – wie soll man da sinnvoll ins Vorgebet finden. Ich gestehe, es gibt die Tage, da gehe ich etwas innerlich hadernd und zerrissen in den Lobpreis. Ich stehe dann da, proklamiere Wahrheiten über Gott und merke in solchen Fällen erst beim zweiten oder dritten Lied selber, wie wahr das ist, was mein Mund singt und wen mein Geist da preist.
     Manchmal stehe ich inmitten von Tausenden, die Gott loben und ich komme nicht dazu, weil ich den Eindruck habe, die Band singt nicht für Gott, sondern produziert sich selbst – auf höchstem technischen und musikalischem Niveau selbstredend. Aber sagt dieser Eindruck dann wirklich etwas über den Lobpreis aus und nicht vielmehr über meine Art hier zu sein?
     Manchmal sind wir in einem kleinen Kreis zusammen, ein Lobpreisleiter mit beschränktem technischen Know How spielt – und schon beim ersten Lied brennt die Luft und der Geist ist fast physisch zu spüren.

Was ist der Kern von Lobpreises? Schauen wir nach