Mittwoch, 14. Januar 2026

18. Januar Mutter Regina Protmann

Loyalität, Gehorsam, der Wille Gottes und das persönliche Gewissen


Finden wir es nicht alle gut, wenn wir uns aufeinander 100%ig verlassen können? Für viele ist die Familie so ein Ort. Zu wissen, da ist jemand da für mich, und das nicht nur, wenn der andere etwas von mir will. Nun sind Großfamilien nicht nur und nicht immer Orte des gepflegten Rückzugs und der sicheren Heimat. Gerade, wenn man aus manchen alten Familien kommt, weiß man, dass es da auch Dinge gibt, die man nicht sagt oder tut - oder die im Keller ruhn.

Und was passiert erst, wenn die Familie nach innen und außen Böses tut? Gibt es da Grenzen von Loyalität und Gehorsam? Wir kennen die alten Mafia-Familien, die neue Clan-Kriminalität... Da wird Loyalität und Gehorsam oft noch mit Gewaltandrohung „unterstützt“. Aber es muss ja nicht immer etwas Böses sein, was die Familie will. Ich kann mich entsinnen an einen Jugendlichen, dessen Vater Chefarzt war und die Mutter Stationsleitung und er sollte nach dem Willen der Eltern auch Arzt werden. Von den Leistungen her überhaupt kein Problem. Aber der Junge wollte nicht. Er wollte Tischler werden... knifflige Situation.

Wie unterscheiden wir nun, ob das Gute, was andere in oder für mich sehen, auch das ist, was ich tun will oder soll? Als Regina Protmann mit ihren zarten 18 Jahren Geld für Kleidung, Schmuck und Parties ausgab, war das für die wohlhabende Familie überhaupt kein Problem, das machten ja alle so „und so sind Mädels halt nun mal“. Die Familie und der Freundeskreis hätten es wohl am liebsten gehabt, sie hätte wohlhabend geheiratet. Als sie aber ein Jahr später sagte, nein, ich will arm dem armen Christus folgen, war das auf einmal nicht mehr so leicht. Zur Not hätte man auch einen klassischen Frauenorden hinter Mauern akzeptiert, da wäre sie geschützt und man hätte von ihrem Gebet dort profitiert. Aber jetzt wollte sie anders leben, in einer Form, die die Kirche zu ihrer Zeit aus Gründen so nicht mehr anerkannte. Was dachte sich das Mädel nur dabei?!

Wem sind wir zu Loyalität und Gehorsam verpflichtet und wo sind die Grenzen? Was hilft uns dabei zu unterscheiden, welchen Weg wir gehen, auch wenn die Familie es nicht versteht?

Die Familie, die Gesellschaft, der Freundeskreis üben einen Einfluss auf uns aus. Gehen wir mal davon aus, dass er meist gut ist. Sie erwarten natürlich von uns auch, dass wir uns eingliedern lassen und produktiver und verlässlicher Teil der Gemeinschaft werden. Die Bibel wird hier vor allem von anderen für uns gelesen – was erst mal gut ist, damit wir vertraut damit werden. Aber als Christ sind wir nicht zuerst unserer Erziehung verpflichtet, sondern vor allem Gott. Neben der allgemeinen Berufung, Kind Gottes zu sein, hat Gott für uns einen Plan. Der ist aber nicht fix, sondern gleicht eher einem Weg, den Er mit uns persönlich gehen will. Hier lerne ich, die Bibel für mich zu lesen. Tun wir das und folgen dieser Spur, erfüllt sich unser Herz mit Friede und Freude, selbst dann, wenn um uns auch manchmal Stürme toben; denn wir wissen, das ist dann mein Weg mit Gott. Das muss nichts extravagantes sein, wenn ich nur merke, dass das, wozu ich mich verpflichte, das ist, was ich mit dem Herzen festhalten kann, weil es mein Weg mit Gott ist. Jesus Sirach 37,13 Und bleibe bei dem, was dir dein Herz rät; denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden. (Lutherbibel)

So war Regina Protmann auch nicht ungehorsam gegenüber ihren Eltern, denn sie hat sich angehört, was diese zu sagen hatten, aber sie blieb in ihrem Herzen dabei, dass zu suchen, was ihr den inneren Frieden schenkte, den Gottesdienst und den Dienst am Nächsten. Und Gott schenkte ihr auch Menschen auf dem Weg, die ihr halfen, diesem Willen Gottes auf der Spur zu bleiben und so ins Wort zu fassen, dass sich andere anschließen und auch so leben konnten.

Bild von Gordon Johnson auf Pixabay 

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