Donnerstag, 27. Februar 2025

Aschermittwoch – einmal eine positive Form des Burn Out

Obwohl die Fastenzeit in diesem Jahr sehr spät beginnt, habe ich den Eindruck: Boah, jetzt schon?! Es ist halt schon wieder so viel geschehen in diesem Jahr. Und alles löst auch Sorgen, Freuden oder Zerstreuungen aus, so dass man das Wichtige leicht aus dem Blick verliert.

Ein zentraler Ritus des Aschermittwochs ist das Aschekreuz. Die Asche wurde gewonnen aus den verbrannten Zweigen des Palmsonntags, mit denen wir Jesus nach Jerusalem begleitet haben. Sie sind Symbol für die Freude und den Jubel gegenüber Jesus, der als Davidssohn in Sein Eigentum kommt und von den Menschen als „König“ bejubelt wird. Dabei hat jeder Jubler andere Vorstellungen davon, was dieser Gesalbte (= Christus) zu tun hätte für ganz Israel, aber eben auch für

mich.

Sechs Tage später, am Karfreitag, ist Jesus darum aber auch tot und wird zu denen gelegt, die wieder zu Staub und Asche geworden sind. Mit den Zweigen verbrennt also auch eine Menge von dem in meinem Herzen, was mich von meinen „Alltagsnormalitäten“ zerstreut und abgelenkt hat, und wird zu Asche.

Auf einmal ist viel Raum in der leeren Seele. Alte Geschichten und tiefe Verletzungen können ins Blickfeld geraten, die ich verdrängt habe. Ich sehe plötzlich Menschen, die ich vernachlässigt habe, weil ich nicht wusste, wie ich das bei all dem Stress hätte anders machen sollen, entdecke Geschichten, wo ich andere verletzt habe, vielleicht sogar bewusst? Vielleicht bemerke ich auch plötzlich arme Menschen um mich herum, die ich bisher übersehen habe...

Es tauchen also Themen für mich auf, die ich fast nur in der Fastenzeit wahrnehmen kann, wenn ich sie so nutze, wie es dem Leben dienlich ist, zum Beispiel: Versöhnung finden, Almosen geben und Fasten, um die Armen zu unterstützen oder – noch besser – eine gerechtere Welt anzustreben. Oder auch: Wie geradlinig bin ich in meiner Kommunikation oder heuchele ich doch zu oft? Will ich vielleicht auch mal wirklich fasten (eine Zeit lang weniger essen als mein Körper braucht) oder abstinent sein (mich einer Substanz wie Alkohol, Zucker oder einer schlechten Angewohnheit enthalten) – und mache ich es für mich oder eher, damit andere es sehen? Finde ich die Zeit, um zwischendurch Luft zu holen, meinen Weg zu überdenken und mich auf meinen Schöpfer zu besinnen? Vielleicht gebrauche ich die Zeit aber auch, um Gott und den Nächsten um Verzeihung zu bitten, wo ich an ihnen schuldig geworden bin? (vgl Lk 9,22-25)

In einer kleinen Artikelserie wollen wir Sie in der Fastenzeit mit den Stichworten des letzten Abschnitts begleiten und ein Licht auf die Leere richten, die möglich wird, wenn man ins Fasten kommt.

Im Namen der Seelsorge
wünsche ich Ihnen eine
gute vorösterliche Bußzeit

P. Adrian Kunert SJ

Bild von Myriams-Fotos auf Pixabay

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