Freitag, 5. April 2019

Lobpreis - von der Aufgabe zur Hingabe

Manchmal ist es wie verhext. Die Band kommt nicht rechtzeitig zusammen; in der Technik steckt der Wurm; die Instrumente scheinen chronisch verstimmt zu sein – wie soll man da sinnvoll ins Vorgebet finden. Ich gestehe, es gibt die Tage, da gehe ich etwas innerlich hadernd und zerrissen in den Lobpreis. Ich stehe dann da, proklamiere Wahrheiten über Gott und merke in solchen Fällen erst beim zweiten oder dritten Lied selber, wie wahr das ist, was mein Mund singt und wen mein Geist da preist.
     Manchmal stehe ich inmitten von Tausenden, die Gott loben und ich komme nicht dazu, weil ich den Eindruck habe, die Band singt nicht für Gott, sondern produziert sich selbst – auf höchstem technischen und musikalischem Niveau selbstredend. Aber sagt dieser Eindruck dann wirklich etwas über den Lobpreis aus und nicht vielmehr über meine Art hier zu sein?
     Manchmal sind wir in einem kleinen Kreis zusammen, ein Lobpreisleiter mit beschränktem technischen Know How spielt – und schon beim ersten Lied brennt die Luft und der Geist ist fast physisch zu spüren.

Was ist der Kern von Lobpreises? Schauen wir nach bei 1 Chronik 16. David bestellt neben dem priesterlichen (aaronitischen) Opferdienst eine eigene Truppe Leviten für den Lobpreis. Sogar die Worte dieses Lobpreises sind überliefert. Es beginnt mit einem Dank an den Herrn, das Staunen über Seine Zuneigung zu Israel. Seine Wunder und Treue werden erinnert und gepriesen, vor allem in den konkreten Taten der Befreiung und Leitung in schweren Zeiten. Es wird über die Einzigartigkeit und Schönheit Gottes und Seiner Werke gestaunt und diese gepriesen, und durch sie Er. Israel wird aufgerufen, das vor allen Völkern zu proklamieren, ja Mund der Schöpfung zu sein, die so Gott loben kann. Lobpreis führt in die Perspektive Gottes. Dieser Lobpreis ist nichts einmaliges. Auf Befehl Davids blieben Asaf und seine Brüder vor der Bundeslade des HERRN, um dauernd den täglichen Dienst bei ihr zu verrichten. (1 Chr 16,37. Hervorhebung von mir.) Warum ist dieser Aspekt dieser Aufgabe so wichtig: der tägliche Lobpreis mit diesem Inhalt?

In unserem Alltag begegnen uns verschiedenste Nöte und Forderungen; Ungerechtigkeiten im Weltwirtschaftssystem und in der Familie neben; Krankheiten naher Angehöriger, die fast alle Kräfte aufzehren und Epidemien nach der nächsten Naturkatastrophe; Gier und Bosheit, die uns sprachlos oder zornig machen können. Und alles ist dringend. Wenn sich dann noch die Ängste der Menschen ringsum mit meinen vermengen, können sie zu einer Flut anwachsen, die mich hin und her wirft. Wir Menschen in unserem Alltag gleichen dann dem entwurzelten Seegras auf der Oberfläche des Meeres, das ziellos hin und her gezogen wird. So kommen aber auch unsere Prioritäten, unsere Nöte, Freuden und Arbeit ins Schwanken und Durcheinander. Den täglichen Blick zu Gott einzuüben und vor allem Seinen Blick auf unser Leben hilft uns, die wichtigsten Dinge in unserem Leben, nicht relativieren zu lassen von den dringenden Forderungen, die wie die Wellen im Meer immer neu heran branden, sondern fest zu stehen auf dem Fels, der Er uns ist.

Dann können wir aus dieser Haltung heraus, die alles Eigene aufgegeben hat, auch in die Fürbitte eintreten oder in andere Formen des Gebetes, die aber immer bei der Anbetung Gottes, bei der Hingabe, ihr Ziel finden sollte. Dazwischen erfolgt in Fürbitte und prophetischem Gebet auch das Auseinandersetzen mit den Nöten und Anliegen der Zeit, aber eben mit den richtigen Prioritäten. Diese werden durchaus unterschiedlich sein zu denen meines Nächsten; denn Gott hat neben dem allgemeinen Ruf für alle zur Heiligkeit als Sein Kind, auch einen sehr persönlichen Ruf für jeden Einzelnen. Den einen lockt Gott immer mehr zu Werken der Nächstenliebe, eine andere zum Dienst in der Gemeinde, wieder andere verstärkt in die Familie, in den Heilungsdienst, die Kunst und und und. Entscheidend dabei ist, das der Fokus und die Perspektive über den Lobpreis hin zur Anbetung bleiben und in der Wertschätzung der Berufung des anderen. Damit wir eben auf dem Fels gegründet bleiben und auch Nein sagen können, wenn wir mal wieder unter dem Schein des Guten versucht werden, über unser Maß zu leben und noch dieses oder jenes zu übernehmen, „weil dieses gute Werk sonst kaputt gehen würde“; Gott braucht keine Arbeitssklaven, die die Arbeit für Ihn erledigen, sondern Liebhaber, die mitarbeiten dürfen an Seinem Reich, wo Er die Hauptlast trägt.

Lobpreis ist uns aufgegeben; wir können aufgeben, was uns von Gott fern hält und ergreifen, wozu Er uns ruft, damit immer mehr Ihm hingegeben leben können.

P. Adrian Kunert SJ

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