Mittwoch, 26. November 2025

Die erste Dimension des „Ankommens“ Jesu, des Christus

Wie kann Gott überhaupt mit uns reden? – Menschwerdung

Warum ist Gott Mensch geworden? Das verstehen weder Juden noch Muslime am christlichen Ein-Gott-Glauben. Im Tiefsten geht es dabei auch um die Frage, wie kann der ewige Schöpfer von allem mit Seiner Schöpfung in Kontakt treten, wenn Er so ganz anders ist?

Jedoch weisen alle drei Religionen ähnliche Antworten aus, oft nicht bis zu Ende geklärt. Im Judentum gibt es zum Beispiel in mittelalterlichen rabbinischen Diskussionen die Frage nach den zwei Gestalten, die beide mit dem Gottesnamen bezeichnet werden. Das geschieht meist in einem Zusammenhang, wo Gott mit dem Menschen ins Gespräch kommt, aber auch in den Psalmen und bei den Propheten. Im Islam ist die Rede von einem ungeschaffenen Koran bei Allah, gleich ewig..., der dann in den konkreten gedruckten arabischen Büchern sichtbar wird... Das alles sind aber spätere Reflexionen auf das, was in Geschichten-Form offenbart wurde.

So ist es auch im Christentum. Wir alle kennen die Geschichten aus dem Lukasevangelium, wo der Engel Gabriel zu Maria kam und Jesus in ihr aus dem Heiligen Geist gestaltet wurde. Eigentlich müsste man ansetzen an der „Ankunft“ der dritten Woche, wo Er in unseren Tod kam, um das recht zu verstehen. Da bitte ich also noch um Nachsicht, dass dies vielleicht hier noch etwas offen bleiben muss.

Der erste Teil der Antwort ist, Gott wird Mensch, damit wir menschlich werden können. Er wird ein kleines Kind, weil alle anderen vorherigen Brücken, die Gott gebaut hat, spätestens in der zweiten Generation korrumpiert worden sind. Gott (der Sohn) kommt nun selber, damit Gott (der Vater) uns in Jesu menschlicher Gestalt lieben kann, was Er in Ihm (als dem Sohn) liebt. Also müssen wir nicht als Menschen leben, die als höchstes Ziel Gesetze erfüllen; nicht als Menschen, die, weil sie dies nicht können oder wollen, andere ausbeuten, erniedrigen oder selber als Knecht dahin vegetieren müssen. Gott wird ein kleines Kind, weil das niemanden bedroht und wir Ihn so ohne Angst in unser Herz aufnehmen können und Er so in uns wachsen kann. Dieses kleine Kind in der Krippe wird kommen als die ausgestreckte Hand Gottes für alle Menschen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben (Joh10,10).


Mittwoch, 19. November 2025

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt...

Warum feiern wir eigentlich vier Wochen Advent?

Im ersten Jahrhundert, als die Schriften des Neuen Testaments entstanden sind, war das Geburtsdatum Jesu nicht aufgeschrieben worden, weil es scheinbar auch niemand so recht interessiert hat. Im zweiten und dritten Jahrhundert begannen dann die Spekulationen, weil das im griechischen und römischen Bereich die Leute doch irgendwie interessierte. Bevor aber jemand auf die Idee kam nachzurechnen, legte der (nicht christliche) Kaiser Aurelian 275 n.Chr. die reichsweite Verehrung seines Sonnengottes Jupiter Sol Invictus auf den 25. Dezember fest. Jupiter Sol Invictus (=unbesiegter Sonnengott) eine Verschmelzung von römischen Jupiter, dem römischen Sonnengott und dem vorderasiatischen Sonnengott sowie Mithraskult.

Um dem etwas entgegenzusetzen legte der Papst das Weihnachtsfest als das Fest von Christi Geburt, der wahren Sonne der Gerechtigkeit (Buch des Propheten Maleachi 3,20), ebenfalls auf den 25. Dezember fest. Ab dem vierten Jahrhundert breitete sich das nun im ganzen Reich unter den Christen aus. Damit begannen aber auch Überlegungen, wie man sich auf dieses Fest vorbereiten solle. In der gallischen Tradition (im heutigen Spanien und Frankreich), und heute noch in Mailand, setzte man eine Fastenzeit ein, die ebenfalls einen Bußaspekt enthielt und damit der österlichen Bußzeit sehr ähnelte. Da Sonntage keine Fastenzeit sind – als Feier der Auferstehung Jesu – begann diese Fastenzeit nach dem 11. November und dauerte damit 6 Wochen.

Papst Gregor der Große aber legte eine Zeit von vier Wochen fest, mit einer eher freudigen Zeit des Wartens. In den nächsten Wochen möchte ich jeweils einen kleinen Artikel zum Gepräge der einzelnen Wochen schreiben. Die liturgischen Texte heutzutage nehmen nur das Kommen in Herrlichkeit und die Menschwerdung in den Blick.

Die Hauptgedanken aus der mittelalterliche Legenda Aurea stammen von Gregor dem Großen der das ca. 600 geschrieben hatte:
Adventus Domini (lateinisch), Epiphanía (griechisch) bedeutet auf deutsch: Ankunft oder Zukunft (auf mich zukommend; so übersetzt es die Legenda: die vier Zukünfte des Herrn) und meint das Erscheinen des Christus, das unmittelbar bevorsteht. Man hört die Boten schon Frohlocken. Die Legenda schreibt:
Es sind vier Wochen des Advents, die bezeichnen die vier Zukünfte unseres Herrn:
die erste, dass er zu uns ist kommen in der Menschheit,
die andere, dass er mit Gnaden ist kommen in der Menschen Herzen,
die dritte, dass er zu uns ist kommen in den Tod,
die vierte, dass er wird wiederkommen zu dem jüngsten Gericht.
Die letzte Woche des Advents wird selten geendet, zu einem Zeichen, das die Glorie kein Ende hat, zu der die Heiligen am jüngsten Tage werden kommen.

Ab der Woche vor dem ersten Advent werde ich – wie schon gesagt – jede der vier „Zukünfte“ eigens etwas näher beleuchten.